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Kosch

Nein, hier dreht es sich nicht um den Botschafter Kosh aus der Serie Babylon 5. Es geht um einen Menschen aus Fleisch und Blut. Unseren Freund und Wasserballkumpel Dieter Koschubat, genannt Kosch. Kosch war berüchtigt, eine Legende. Kosch drehte Dinger, jedem anderen wäre man böse gewesen, ihm nicht. Kosch besitzt etwas Einzigartiges, eine von Intelligenz durchwobene Naivität und selbstlose Rücksichtslosigkeit. Man muss sagen, dass hat ihn auch öfter mal in Schwierigkeiten gebracht. Uns erschien er aber immer liebenswert. Und, auf Kosch ist Verlass. Egal was kommt, Kosch steht mit Dir ein!

Ich erinnere noch ein Wasserballturnier in Papenburg. Keine Ahnung mehr worum es ging, aber wir von Neptun Emden waren – wie meist zu der Zeit – im Finale. Ich erinnere auch nicht mehr gegen wen. Nur den Torwart, an den erinnere ich mich als wäre es gestern. Ich sehe sogar seine Glatze und sein Gesicht vor mir. Die ganze Mannschaft gegen die wir spielten, war ein im Prinzip leicht zu besiegender Haufen. Wie gesagt, im Prinzip. Meint, der Torwart war ein Untier, der hielt alles. Er schien Gummiarme zu haben, mit denen er Bälle, die präzise ins obere Eck passten und hart geschossen waren, herausfummelte. Irgendwie schaffte der Kerl das. Fazit war dann, dass es am Ende des vierten Viertels – ja Kinder, so etwas gibt es nicht nur in der Mathematik – unentschieden stand. Und hier ist der Wasserball dem Fußball, Handball, Eishockey etc. ähnlich, dann gibt es ein Penaltyschiessen. Nur dass das damals nicht Penaltyschiessen hieß. Das Wort Penalty war in unserem Sprachschatz nicht vorhanden. Klassisches Viermeterschießen hieß das. 5 Mann jeder Mannschaft ballern aus 4 Metern Entfernung auf das Tor. Vorher muss der Trainer mit seinen Mannen auskaspern wer wann schießt. Ich glaube zuerst kam Robert Reisack, dann Uwe Depping, dann ich, Nummer vier habe ich vergessen und logischerweise besagter Kosch als Fünfter.

Robert war logisch als erster, wir gingen davon aus er trifft. Uwe war auch Okay, vorausgesetzt er hatte einen guten Tag. Robert hat seinen Viermeter astrein verwandelt, nur der von Uwe, der ist mit so lascher Kraft unten links ins Tor geweht, dass der Torwart an dem Ding schon vorbei war. Das war so knapp, mir zittern heute noch die Knie. Dann ich, ich wollte das Ding links oder rechts am Kopf des Tormannes vorbeibringen. Das schien seine einzige verwundbare Stelle zu sein. Nun ist es mir beim Viermeter immer wichtig gewesen, dass ich niemals nicht hochschaue – wo das Tor ist weiß ich, da muss ich nicht hingucken. Das vermeidet, dass der Tormann erkennt was man vorhat, oder glaubt es erkennen zu können und dann mit fifty-fifty das Ding doch killt. Ferner war meine zweite Regel immer die, dass ich erst im Wurf entschied wohin der Ball die Reise antreten soll, spontan also. Zu viel Planung ist Gift, weil da hat man Stress und will unbedingt genau das Geplante machen, so dass am Ende eben genau schiefgeht. Gesagt, getan, geworfen. Der Wurf war gelinde gesagt Scheiße, aber er traf, weil ziemlich hart unten rechts geworfen. Wo der Gegner bei Uwe zu schnell war, war er bei mir zu langsam. Nun kommt hinzu, dass der Gegner den ersten und den dritten Viermeter mittlerweile verschossen hatte. Das macht dem vierten Schützen natürlich Stress. Der hämmerte den Ball aber rein und wir hatten gewonnen. Das war allen klar, sogar Kosch hatte das kapiert. Nur hielt ihn das mitnichten davon ab den Schiedsrichter anzublöken:

„hey, was ist mit mir, ich will auch noch schießen!“ Ein echter Kosch, ein wahrer Kosch, das brachte nur einer fertig, Alle waren froh gewonnen zu haben, aber er will partout auch noch schießen. Die Entscheidung für Kosch als letzten Schützen war im Prinzip immer die gleiche. Kosch macht das, weil er kein Hirn – also keine Nerven – hat.

Ein andermal, wir spielten in Veendam in Holland das jährliche Turnier mit – ein absolutes Saisonhighlight – die Mädchen hatten es uns auch immer angetan. Wir hatten, weil es scheißkalt Nachts im Zelt war, und wir immer in dem Bad campten, eigentlich mehr oder minder durchgesoffen. Morgens nach dem ersten Spiel gab es schon wieder was und Kosch hatte von uns allen definitiv am meisten vom „Meat“ gehabt. Blau wie er war, verpennte er den Anpfiff. Wir lagen zu sechst im Wasser und kein Kosch in Sicht. Wir brüllten und schrien, dass er sich beeilt. Irgendwann, der Schiedsrichter war ein feiner Kerl und hatte ein wenig gewartet, tauchte er auf. Hüpfend versuchte er die zweite Badehose über die erste zu ziehen – das machen wir, damit unser Karl-Heinz nicht im freien hängt, falls im Spielverlauf die Hose durch gegnerisches ziehen und reißen kaputt geht. Danach musste er sich auch noch die Kappe zubinden. So stand er blau 4 Meter vor dem hinteren Beckenrand und fummelte sich an seiner Kappe einen ab. Dem Schiri war es dann zu bunt und er pfiff an. Ich schwamm an und holte Gott sein Dank den Ball. Wir dachten, fein das gibt Luft, denn logischerweise konnte Kosch erst ins Wasser, wenn das erste Viertel rum war oder ein Tor fiel. Nur Kosch ist eben nun einmal Kosch. Wir versuchten uns zu sortieren, um dann in Unterzahl einen sinnvollen Angriff hinzubekommen. Und Kosch, Ja was tat Kosch? Genau, er kam aus 4 Metern Anlauf mit Getöse, vollkommen blau, in einem Affenzahn zum Beckenrand gelaufen und…, sprang mit elegantem Schwung ins laufende Spiel. Dem Schiedsrichter viel vor Unglaube die Pfeife aus dem Mund. Er sammelte erst sich und dann die Pfeife wieder ein, ein scharfer Pfiff und die Fahne zeigte auf Kosch’s Kopf und machte diese wunderbare, nur im Wasserball existierende Bewegung Richtung hinteren Beckenrand – Rauswurf also (heute heißt das gemäß rot-grünem politisch korrektem Duktus: Hinausstellung). Wir verloren den Ball, kassierten ein Tor in Unterzahl und Kosch durfte danach wieder mitspielen. Alle waren sauer, aber erstens haben wir uns den Rest des Wochenendes noch köstlich über die Nummer amüsiert und ihn immer fleißig damit aufgezogen und zweitens konnte man ihm einfach nicht böse sein.

Categories: 我的金瓶梅

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