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Was eine Wanduhr mit einem W 38 Telefon verbindet

Meine mir vom Multiversum anvertraute Gattin, unser Sohn und ich haben lange in Liederbach gewohnt. Dieser Ort besteht seit der Gemeindereform von 1971 aus zwei Ortsteilen, aus Oberliederbach und Niederhofheim. 1998 zogen wir vom Ortsteil Oberliederbach in eine Doppelhaushälfte im Ortsteil Niederhofheim. Dabei wechselten wir auch die Vorwahl, „desterwegen“ wir unsere Telefonnummer nicht mitnehmen konnten. So denn Oberliederbach die Frankfurter Vorwahl 069 und Niederhofheim sinnigerweise die Vorwahl von Bad Soden 0196 hat. Es lebe die Deutsche Telekomik. Da wir irgendwann auch das „Internetz“ mit einziehen lassen wollten, habe ich später unser Festnetztelefon auf ISDN umgestellt, damit unser Herr Sohn sich über ein V90-Modem ins besagte Netz einwählen konnte. Da man bei ISDN drei Rufnummern hatte und ich wegen meines Telefonfimmels mehrere alte Telefone besitze, verdrahtete ich das ganze Haus für ISDN. Nun sollte aber der Anschluss freigeschaltet werden, wenn ich auf einer Dienstreise war. Dies hatte zur Folge, dass wenn ein Verdrahtungsfehler vorhanden sein sollte, meine Familie nicht mehr telefonieren könnte. Also holte ich meinen alten W38-Apparat aus dem Keller. Ich sagte meiner Frau, dass für den Fall, dass nach der Umstellung die Telefone tot sein sollten, sie einfach den Stecker aus der Hauptdose herausnehmen sollte und den W 38 dort einstecken soll, dann ginge der auf jeden Fall. Wie es musste, kam es denn auch, die Anlage lief nicht, also musste der W 38 ran. Jedenfalls war an einem der Tage ein Kumpel unseres Sohnes bei uns zu Besuch und meine Frau bot ihm an, er könne zum Abendessen bleiben. Der Junge meinte, „gerne“, müsse aber zu Hause anrufen und Bescheid geben. Also stellte meine Frau den W 38 vor ihn auf den Tisch, auf dass er telefoniere. Wie meine Frau mir berichtete, starrte der Junge auf den Apparat und fragte, was er damit machen solle. Der Junge kannte nur Tasten, er hatte in seinem Leben noch kein Telefon mit Wählscheibe gesehen.

Und mein Enkel Jannis? Ich wollte am Sonntag unsere zwei mechanischen Uhren aufziehen. Die im Arbeitszimmer ist eine alte Wanduhr von meinem Opa. Wertlos und wertvoll zugleich, zumindest für mich. Das Ding hat ein Uhrwerk aus Messing und läuft nach über hundert Jahren immer noch wie geschmiert. Wenn man die Uhr aufzieht ist das in der Hand ganz weich, nicht so wie bei einem Uhrwerk aus Stahl. Ich genieße dieses Gefühl immer sehr. Jedenfalls stand meine weise Nase Jannis neben mir und ich sagte,
„ich will mal die Uhren aufziehen, damit ich das heute nicht vergesse.“ Als ich die Tür der Uhr öffnete und begann die Uhr aufzuziehen, meinte mein kleiner Sonnenschein zu mir:
„Opa ist das überhaupt eine richtige Uhr?“ Ich erwiderte:
„Ja klar, siehst Du doch, sie zeigt die korrekte Uhrzeit an, zwanzig nach vier ist es.“ Dann kam so etwas wie:
„Ach so? Ich dachte nur, weil die Uhr in so einem Kasten drin ist.“
Völlig nachvollziehbar für 2017 geborene Kinder Uhren anders zu sehen als ein 66-Jähriger alter Sack. Ich habe noch lange in mich hineingelacht an diesem Sonntag.

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