Frührentner

Am letzten Sonntag (seines Zeichens jener Feiertag der Deutschen, welcher mir nach 20 Jahren immer noch fremd ist – und wohl auch bleibt) beobachteten meine Frau und ich beim Frühstück vom Balkon aus zwei offensichtliche Frührentner beim überqueren der Straße. Irgendetwas fiel mir auf und dann hatte ich es. Frührentner in Deutschland tragen Uniform. Stimmt nicht? Gucken Sie mal genau hin. Alle tragen das Gleiche. Es ist in der Regel immer ein Hemd mit einem halben Arm, dessen Farbe nur um Nuancen  um die Farbe hellblau kreist. Darüber trägt der Frührentner Deutschlands grundsätzlich eine baumwollweste in hellgrau, nur variiert im Farbton, durch den „Verwaschenheitsgrad“.  Als ich meiner Frau meine Betrachtungen mitgeteilt hatte, lachte Sie und meinte im Prinzip läge ich mit meiner Boshaftigkeit ja gar nicht so falsch.

Am Nachmittag besuchten wir eine Ausstellung in Baden Baden – Frieda Kahlo – und an der Kasse stand eine sehr nette Holländerin in den Fünfzigern. Sie nannte uns den Eintrittspreis und die möglichen Ermäßigungen für Schüler, Studenten und Rentner. Rentner? Sie sah uns an und meinte dann, dass für uns das wohl eher nicht in Frage käme? Großes Kompliment von der Dame, dass man mir nicht das „Frührentnertum“ unterstellt – immerhin bin ich schon leicht über fünfzig! Meine Frau ist da ohnehin außerhalb jeglicher Diskussion, da sie buchstäblich seit elf Jahren aussieht wie neununddreißig. Ich sagte dann der Dame:
„ach Sie meinen weil ich noch keine Frührentneruniform trage?“
Sie lachte und antwortete:
„ja genau, Sie meinen diese typische dreiviertellange Flanellhose?“
Nachdem wir Ihr von unseren frühmorgendlichen Betrachtungen berichtet hatten und gemeinsam noch die unvermeidlichen Sandalen – zu tragen ab 9,9° C – hinzuzählten, hatten wir dann die Uniform komplett. Ich weiß jetzt kommen noch die weißen Socken ins Spiel. Die ließe ich aber lieber weg, weil das könnte auch ein deutscher Urlauber sein, ohne sich in Frührente zu befinden.

Ungeklärt trotz Diskussion zwischen meiner Frau und mir blieb die Ausführung der Weste. Es ist uns nicht ganz klar, ob der noch unerfahrene Frührentner mit einer Weste mit vielen Taschen daran startet und die Anzahl dieser Taschen dann abnimmt – so eine Weste trägt sich ja auch schnell auf wenn man tagein tagaus das gleiche anzieht – oder ist es genau umgekehrt? Also so, dass man mit wenigen Taschen ins “Frührentnertum” startet und die Anzahl dieser dann im Laufe der Zeit zunimmt?

Vorhin hat mich nun meine Frau angerufen – aus dem Auto – und sagte:
„vor mir fährt ein Auto, da steht auf der Heckscheibe in riesigen Lettern: Rentner 2005!“

Pferdefleisch

ist lecker, sehr sogar. Als alter „Fischkopp“ esse ich Pferdefleisch, weil man bei uns im Norden Pferdefleisch halt genau so isst wie Rindfleisch. Wenn ich in Hessen das Wort „Pferdefleisch“ in den Mund nehme, dann schreit meine gesamte Umgebung sofort und laut: „Igitt igitt!“ Warum die Hessen kein Pferdefleisch essen, ist mir unklar. Klar ist aber für mich, dass es mir mindestens so gut wie Rindfleisch schmeckt und ich es sehr gerne esse. Ich esse ja auch Lammfleisch gerne. „Die armen Pferde“, ist so ungefähr der blödeste Spruch den man sich im Zusammenhang mit Pferdefleischgenuss nur vorstellen kann, es sagt ja auch niemand: „arme Rinder.“ Früher ein Armeleuteessen, sind die Preise für Pferd heute wesentlich höher als für Rind, von der für in Hessen lebende Pferdefleischesser  noch zu berücksichtigenden  Beschaffungskriminalität ganz zu schweigen. Um an das Pferdefleisch zu kommen, muss ich meist auf Frankreich und Belgien zurückgreifen, denn da liegt das Zeug einfach in jedem Supermarktregal. Also nehme ich jede Gelegenheit wahr, dort an einem Supermarkt anzuhalten und viel Geld drinnen zu lassen.

Zurück zum Genuss. Ich habe den ultimativen Spruch für alle Igitt-Sager gefunden, er ist mir sogar selbst eingefallen. Die Schweizer essen auch Pferdefleisch und ich war in der Schweiz bei einem Geschäftsessen. Auf der Karte gab es ein „Entrecote de Cheval“, also das beste Stück vom Pferd und es gehörte mir. Mein Gegenüber, ein sehr netter Schweizer nahm auch mit leuchtenden Augen das Pferd. Ich sprach ihn darauf an und die Antworten die kamen, waren jene die kommen mussten. Der Daheim-Genuss von Pferdefleisch war für den Vater einer 13-jährigen Tochter selbstredend unmöglich, da die Tochter, wie offensichtlich alle Töchter, reitet. Was hat eigentlich das reiten eines Pferdes mit dem Verzehr eines solchen zu tun? Eine Frage die wohl auf immer unbeantwortet bleiben muss. Na jedenfalls, nachdem wir alle verständnisvoll – fast mitleidig – seine Geschichte vernommen hatten, wagte ich dann einen Tröstungsversuch und sagte: „warum lassen Sie ihre Tochter nicht einfach mal auf einer Kuh reiten?“ Die Reaktion war erst Schweigen, aber dann ein ziemlich lautes Gelächter.

Ja, liebe Pferdedamen, jedweden Alters, reitet doch mal eine Kuh, danach könnt Ihr ja immer noch entscheiden ob Euch das Steak noch schmeckt. Wenn Ja, dann verschont mich bitte ab heute mit Kommentaren zu der Tatsache, dass ich bekennender Pferdefleischesser bin. Meine Frau isst im übrigen auch Pferdefleisch, sie kommt zwar nicht aus dem Norden, aber hat durch mich das Fleisch kennen und schätzen gelernt. Allerdings reitet meine Frau nicht, da ich ihr so schlecht ein Pferd finanzieren könnte.

Apple I

Ich bin leidenschaftlicher FAZ-Leser. Leider bin ich auch Ingenieur; und der Technikteil der FAZ schafft es ziemlich regelmäßig mich zu erregen. Kürzlich hat sich die Redaktion oder einer ihrer Mitarbeiter einen Medion-USB-Stick gekauft. Den haben die dann in irgend so ein Macintosh-Ding hineingeschoben und – „surprise“ – er „funzte“ wohl nicht. Da bei der FAZ nur intelligente Menschen arbeiten, fanden die natürlich nach stundenlangem ärgern eine Lösung für das Dilemma. Nur das Ding ist: schuld war nicht Apple, Nein, Schuld war der Stick, respektive Medion. Ich behaupte nun –  weil die Technikredaktion der FAZ mir veräppelt scheint – hätte der Stick auf einem Windows-PC nicht funktioniert, dann wäre garantiert nicht der Stick schuld gewesen sondern Microsoft wegen ihrem Windows. Deshalb funktioniert wohl Apple eben immer problemlos bei den „Usern“ aber Microsoft eben nicht

Ich beglückwünsche im Übrigen alle Macintosh-Freunde für diese immer weiter um sich greifende Grundhaltung.

Holzfisch, Zigarillo und Klosteine

haben sicherlich wenig gemein. Und doch hat unser Sohn alles probiert. Das erste war, dass er an einem eigentlich als kleinkindgerecht zu bezeichnendem Holzfisch ein Stück abbiss und runterschluckte. Uns allen bescherte das ein kurzen Krankenhausbesuch und ein schlechtes Gewissen. Aber wer hätte ahnen können, dass dieses Kind in der Lage ist, an dem den Mund darstellenden eingesägten Schlitz ein Stück abzubeißen? Noch dazu war der Fisch 2,5 cm dick – na Ja nun.

Beim Zigarillo war es dann schon wesentlich heftiger. Unser Herr Sohn nahm – einen wirklich extrem kurzen Moment (zweimal Augenzwinkern) unbeobachtet einen meiner ausgequalmten Brasil-Zigarillos aus dem Aschenbecher und stopfte ihn in den Mund. Ich puhlte zwar sofort alles aus seinem Mund heraus, aber wir wussten naturgemäß nicht, ob er etwas verschluckt hatte oder nicht. Also wieder ins Krankenhaus. Diesmal war Magenauspumpen angesagt – keine so feine Sache das… Das schlechte Gewissen war diesmal natürlich noch größer und die Belehrungen von Ärzten und vor allem jene der Karbolmäuschen absolut ätzend – und auch völlig überflüssig, betrachtete man unsere momentane nervliche Verfassung. Er hatte dann zwar doch nichts runterschluckt aber Sicherheit geht nun mal vor. Insgeheim nannte ich meinen Sohn ab diesem Tag manchmal „Schlauchi“, weil ich beim Wasserballverein aus Miesburg jemanden kannte der so genannt wurde, weil er mal ‚ne Alkoholvergiftung hatte und auch etwas über Magenauspumpen erzählen konnte. Soviel dazu, das angeblich die Heute junge Generation das sog. „Komasaufen“ erfunden hätte – Blödsinn!

Die Klosteine; hier gelang es mir gerade noch zu verhindern, dass er sie sich in den Mund stopfte. Das Ganze war auf der Raststätte Lichtendorf Süd auf dem Weg nach Emden zu meinen Eltern. Ich musste mal, das soll vorkommen und er ging mit mir zur Toilette. Dort waren diese schönen bunten runden Klosteine und der Junge wollte unbedingt mal probieren. In der Hand hatte er sie schon und die Hand war auf dem Weg zum Mund – aber nunmehr gut geschult war ich schneller.

Meine Nerven. Der Junge ist jetzt 23 Jahre alt und ein Mann, aber das vergesse ich nicht.

Entdecke die Möglichkeiten oder IKEA I

So lautet der Werbespruch von IKEA. Nun ich habe die Möglichkeiten ja längst erkannt. Ich gehe nämlich nicht zu IKEA, das ist eine Art von Selbstschutz, sozusagen. Natürlich heißt wenn ich sage, ich gehe nicht zu IKEA, dass ich doch hingehe, und zwar meinem Sohn oder meiner Frau zuliebe. Mindestens einmal im Jahr ist meine Geliebte weg, das bedeutet sie fährt mit ihren 22 Blagen Montags weg und kommt erst Mittwochs wieder. Letztes Jahr hat meine geliebte Frau noch so eine Auszeit genommen, und ist im November zu einer Fortbildung weg gefahren. Noch dazu war bei meinem Sohn im Zimmer eine Jalousie kaputt gegangen. Das Problem mit seinen Fenstern ist, dass außer IKEA mit den krummen Maßen nichts passt. Also bin ich meinem Sohn und auch meiner Frau zuliebe, wir sollten nämlich Käse, also Smörebrödkäse, mitbringen, zu IKEA gefahren.

Die Nummer fing an lustig zu werden, als wir auf der Suche nach einem Parkplatz waren. Entweder die Hausfrau parkt im ersten freien Parkplatz ein, oder der Rentner (wir waren an einem Mittwoch dort) parkt gar nicht, weil er keinen Parkplatz sieht. Wir bekamen aber einen „Parkplatzslpstick“ der ganz besonderen Art geboten. Ein Zivi mit Mercedes-Bus und etwa sechs oder sieben sogenannten Behinderten versuchte seinen Bus ein zu parken. Da dieser etwas länger war als ein FIAT-Cinquecento hatte er Probleme. Mit seinen Problemen blockierte er erstens die Straße und zweitens den besten Parkplatz den man bei IKEA überhaupt finden kann. Er übte also ein zu parken, Parklücke eins etwa dreimal vor und zurück. Ich rief aus dem offenem Seitenfenster laut,

„mein Gott Zivi, hau rein und mach mir keine Schande!“

Er machte mir aber Schande, er kurvte dreimal vor und zurück, bevor er sich für die Parklücke auf der anderen Seite der Reihe entschied, aber nur um das Spiel dort zu wiederholen. Im zweiten Anlauf rief ich,

„los Mann, Du hat doch noch einen Meter mindestens!“

Die Leute guckten mittlerweile, manche lachten und mein Sohn kugelte sich auf dem Beifahrersitz. Dann hatte ich endlich den ersehnten Zentimeter Platz und fuhr an dem armen Kerl vorbei und parkte ein. Als wir dann Richtung Eingang gingen, sahen wir Ihn immer noch üben und ich dachte,

„für Dich, aber vor allem für mich, wäre es besser gewesen, Du wärest zur Bundeswehr gegangen.“

Mein Sohn und ich gingen also zu IKEA rein, und er war schwer beeindruckt, dass sein alter Herr eine Abkürzung kannte, wie man ohne den „Möbelausstellungspfad“ abzulaufen zu der „Kleinteilehalle“ kommt. Dort angekommen kriegte ich die nächste Krise, weil es dort nahezu unmöglich ist, die schlendernden Hausfrauen zu überholen. Die gehen nämlich mit Ihren Hintern in Zwei- bis Dreierreihen vor einem her und lassen keine Lücke. Mein Sohn, der meine Unruhe über diese Behinderung sehr wohl bemerkte, amüsierte sich ein zweites Mal über mich.

Die Spezialität meines humorlosen Humors bewies ich meinem Filius aber dann in der Lampenabteilung, indem ich mich vor einem Lampenkarton auf dem in großen Lettern stand „FADO“ (ernster portugiesischer Gesang unter starkem „Tentakeleinsatz“ – ist von mir, nicht aus dem Brockhaus) stehen blieb. Ich beugte mich mit ernster Miene über den Karton, hob die rechte Hand an das rechte Ohr und sagte zu meinem Sohn: „hörst Du was?“ Der warf sich weg, wir lachten und  zogen weiter, besoffen vor Lachen durch IKEA´s Kleinteilehalle. Der nächste Karton der unser war, wurde von meinem Sohn entdeckt. Er wies mit der Hand auf ein Regal und sagte,

„da guck mal, GOSPEL!“

Ich starb vor Lachen während wir weiterzogen.

Den größten Gefallen tat ich meinem Sohn dann auch noch in der Lampenabteilung, denn man/frau muss wissen, dass ich auch noch eine geheime Mission hatte. Da mein Sohn sich eine Lavalampe – was auch immer das ist, ich habe den mir gegenüber gemachten Erklärungen bis heute nicht entnehmen können was das sein soll – wünschte, sollte ich mehr oder minder danach Ausschau halten und im Erfolgsfalle eine mitbringen. Soweit also mein verdeckter Regierungsauftrag. Um nun dem Willen meiner Domina Folge zu leisten, schlich ich etwa in 5 Metern Abstand von meinem Sprössling durch die besagte Lampenabteilung. Erst mal bekam mein Heimwerkerinstinkt (angeboren) Nahrung, weil dort schöne Steckdosenleisten lagen, die sich aber bei genauerem hinsehen als zu teuer entpuppten. Dort war jemand, der wie ein „Ossi“ und IKEA-Mitarbeiter aussah, und immerzu in den Wühltischen Ordnung herstellte, auch in jenem in den ich geschaut hatte. Als ich ein paar Meter weiter in eine Grabbelkiste sah, stand jene Person neben mir und ich gab meinem Herzen einen Stoß. Ich fragte ihn, „entschuldigen Sie, haben sie auch Lavalampen?“ Da ich ihm beim Fragen  direkt in die Augen sah, sah ich an seinem Blick, dass er offensichtlich nicht bei IKEA beschäftigt war und ziemlich wütend war, dass ich ihn für eben so einen „Grabbeltischsortierer“ hielt. Ich sah in seinen Augen auch, dass er eine hohe Bereitschaft entwickelte mir eine rein zu hauen. Also entschuldigte ich mich sofort bei ihm und drehte mich rasch um, weil ich natürlich über meine eigene Dummheit lachen musste. Mein Sohn und ich traten also lachend die Flucht aus der Elektroabteilung an.

Von dem Desaster mit der Jalousie erzähle ich lieber nicht, weil die Unordnung die wir dort vorfanden in etwa dem Chaos auf dem Flughafen in Bangkok beim Umsteigen entsprach. Nachdem wir uns endlich eine Jalousie herausgesucht hatten, im Übrigen eine die zu lang war, sind wir dann Richtung Kasse abmarschiert. Dort angekommen, suchten wir uns eine Schlange zum anstehen aus, mit der Aussicht auf eine möglichst kurze Wartezeit – heißt nicht nur unter Berücksichtigung der Länge der Schlange, sondern auch der Menge der Waren der einzelnen menschlichen Elemente der Schlange. So standen wir dort an, wie der DDR-Bürger früher, und kamen auch ganz gut voran, bis nur noch eine Mutter mit Tochter vor uns waren; die Tochter schätzungsweise Anfang zwanzig. Dann fragte die Kassiererin von der Nebenkasse unsere vielleicht zukünftige Kassiererin nach dem Preis für einen Artikel ihres Kunden. Unsere Kassiererin war völlig selbstlos und meinte den Artikel hätte sie kurz zuvor gehabt. Darauf stoppte sie ihre eigentliche Tätigkeit, stand auf und fing an die Kopierolle der Kassenbons rückwärts abzurollen. Das ging einige Meter so. Mir war das Ganze dann zu blöde und ich setzte meinen persönlichen IKEA-Schlusspunkt, in dem ich laut zu meinem Sohn sagte,

„gleich kommen die Vernehmungsprotokolle von Heinrich Himmler.“

Wir fingen wieder an zu lachen, die Dame vor uns auch und die Kassiererin, ertappt wie sie war, lachte Gott sei Dank auch.

Mit der Kasse nicht genug, beim Käse kaufen bekam ich dann den „goldenen Schuss“ zu sehen. Da man den Käse extra bezahlen muss stand ich hinter einer der Hausfrauen an. Die monierte irgendeine Tüte oder deren Inhalt bei der Kassiererin, die gleichzeitig noch den Kaffeeausschank organisierte und nebenbei noch dem Koch versuchte in seinen faulen Hintern zu treten. Diese Dame rannte dann mit der Tüte zur Kaffeetheke, von dort in die Küche und durch halb IKEA wieder zurück zu einem Korb auf der anderen Seite ihrer Kasse. Ich brach förmlich zusammen. Nachdem die Kassiererin die Tüte eins durch eine identische Tüte zwei ersetzt hatte, zahlte die Gute vor mir endlich.

Nach dem mein Sohn und ich das „Adventure Game“ ohne terroristischen Anschlag meinerseits überlebt hatten, steht für mich nur wieder stärker fest: entdecke die Möglichkeit nicht zu IKEA zu gehen, außer Du tust es für Menschen, die Du über alle Maßen liebst.

Parka

Am Wochenende hat die Frankfurter Allgemeine den Parka als ein Grundübel der 70er identifiziert und mir fiel ein, das da noch etwas war…

Beinahe hätte ich ihn vergessen, den Parka. Ich hasse Parkas, aber nicht weil die Bundeswehr sie hat, ich hasse sie weil ich mußte Parka tragen. Ich habe mich mal mit einem Mann von Jehova‘s Zeugen gestritten ob ein Parka ein Kleidungsstück ist oder nicht. Damals habe ich meinen Parka als Kleidungsstück verteidigt. Ich wollte mich wahrscheinlich mit dem armen Christenmenschen geistig messen. Heute sage ich klar und kompromisslos: Parkas sind Mist. Meine Mutter überzeugte mich inquisitorisch davon, daß ein Parka genau das richtige für mich sei. Jeder trägt einen Parka. Parkas sind warm, praktisch, im Sommer wie im Winter tragbar (einknöpfbares Fell), haben ungeheuer viele Taschen (das stimmt wirklich, meistens findet man im Sommer das, was man seit dem Winter vermißt), solide, haben eine Kapuze (in Ostfriesland ein nicht zu verachtender Vorzug), sind ekelgrün, also kurzgesagt: Mies. Ich mußte immer Parka tragen und ich habe es gehaßt. Gerade kommt mir die Therapieidee, ich kaufe mir im BW-Shop einen gebrauchten Parka und verbrenne ihn feierlich im Garten. Was wohl mein Psychologe, den ich nicht habe, dazu sagen würde?

Flexible Verkehrsleittechnik oder methodischer Wahnsinn?

Also ich wohne in der Nähe von Frankfurt – ja Main, nicht Oder. Da stelle man sich vor, ich fahre an einem Morgen auf der A3 vom Frankfurter Kreuz in Richtung Hanau. Die Kollegen von der flexiblen Verkehrssteuerung – die so flexibel ist, dass sie nur 60, 80, 100 und 120 km/h anzeigen kann – sind heute früh besonders gut drauf. Wahrscheinlich wollten sie mal wieder im Auftrag von ein paar wahrscheinlich durch geknallten Psychologen testen, wie leidensfähig der durchschnittliche Autofahrer so ist. Wahrscheinlich ist so ein flexibler Verkehrsleittechniker wohl nicht so sehr auf seinen Führerschein angewiesen wie die anderen Idioten, welche mit mir gemeinsam versuchen zur Arbeit zu fahren.

Jedenfalls heute ist es ganz toll. Zwischen Frankfurt Süd und “Ofenbacher” Kreuz ist wie immer 120 km/h angeschlagen, dann aber am Offenbacher Kruzifix entfällt Heute morgen irgendwie er sonst immer vorhandene zähfließende Verkehr, was meine Freunde leider nicht davon abhält die 80 km/h einzublenden. Die 80 km/h könnten es den Leittechnikern ja wohl auch für übel nehmen wenn sie heute keinen Auftritt bekämen. Also 80 km/h, wie “jehabt, wat”? Nun also denke ich mir toll, wenig Verkehr, da kannst Du dann ja bis Hanau durchblasen. Nix da, geblasen haben die Techniker mir den Marsch, mit 60 km/h plus Staueinblendung. Also sind wir Idioten alle so mit 90 – 110 km/h vom Offenbacher Kreuz bis kurz vor Hanau gefahren, immer auf der Suche nach dem Stau. Der aber wohl nur in der Phantasie meiner Freunde von der Verkehrsleitzentrale existierte. Kurz vor Hanau nun der endgültige Schock – genau dort, wo normalerweise jeden Morgen ohne Anzeichen eines Staus oder zähfließenden Verkehrs die 80 km/h obligatorisch sind, hebt man die Geschwindigkeitsbegrenzung auf. Auf der Ausfädelspur Richtung Dieburg und auch Richtung Hanau aber ist “Rien de va plus”. Also fahre ich weiter, weil ich nämlich auch über das Seligenstädter Dreieck fahren kann. Tja, nachdem ich also Gas gegeben hatte, weil ich ja nun durfte, waren die Techniker so clever das sie hinter dem Stau wieder alles auf 80 km/h herunter drehten. Logisch, warum sollte man auch nachvollziehbares Verhalten an den Tag legen, da könnte doch glatt Langeweile – so gedehnt gesprochen wie bei Hannes Wader -  aufkommen. Also schlichen wir alle mit 100 km/h bis zum Seligenstädter Dreieck. Da bin ich dann von meiner heißgeliebten A3 abgefahren und habe die anderen armen Schweine bedauert, die das Glück oder Unglück hatten, in die bajuwarischen Gefilde weiterzufahren.

Seit diesem Morgen weiß ich, was es bedeutet wenn der Wahnsinn Methode entwickelt.

Schafft die dämlichen Anzeigebrücken ab. Schmeißt die Leittechniker raus – da kann man die Mehrwertsteuer auf  16 % zurückkurbeln – und macht alles 130 km/h, stellt von mir aus Blitzgeräte an die Strecke, die ab 140 km/h auslösen, aber  lasst uns endlich wieder entspannt zur Arbeit gleiten!

Haltbar bis 2143

Neulich stand ich an unserem Tresen an der Küche und fragte meine Frau nach Gelatine. Also, ich hatte da aus Frankreich eine Foie Gras mitgebracht und dazu wollte ich Gelatinewürfelchen aus Gemüsebrühe machen. Da die Gelatine nicht auf meinem Zettel ist, ich kann nämlich nicht backen, fragte ich also nach. Meine Frau, entrüstet grinsend „natürlich habe ich Gelatine!“

Gut, dachte ich und hakte mit „Blattgelatine?“ nach.

Meine Frau daraufhin ganz stolz: „beides!“

Super, dachte ich und fing ein Gespräch über die Benutzung von Blattgelatine mit ihr an, um herauszufinden welche dämlichen Anfängerfehler sich vielleicht dadurch vermeiden ließen, wenn man eine kundige Person fragt. Dabei fing meine Frau an in unseren Schubladen, in welchen sich z. B. Gelatine befindet, zu suchen. Sie förderte dabei zwei Päckchen Gelatine in Pulverform und ein großes Päckchen Blattgelatine zutage. Ganz stolz präsentierte sie mir die Tüten und wollte sie dann wieder zurücklegen. Dann hörte ich plötzlich so ein „Oh“.

Dieses „Oh“ ist speziell. Alle heterosexuellen Männer kennen dieses „Oh“, es  bedeutet, dass Frau gerade eben für einen kurzen, kleinen, flüchtigen Augenblick (Länge etwa ½ Picosekunde) ihre eigene Fehlbarkeit erblickt hat. Das soll vorkommen, darf aber nicht. Ich sagte nur. „Und“?

„Ähm, Haltbarkeitsdatum: 3 Okt. 07“!

Ich mußte lachen und habe wohl so etwas wie: „ oh, das ist aber frisch!“ gesagt.

Fakt ist, daß wir manchmal schon Streß hatten, wenn ich auf so alte Brocken gestoßen bin. Auf der anderen Seite hatten wir Streß, wenn ich kochen sollte und irgend etwas fehlte – soviel zur Fairness von uns Männern.

Aber woran ich dabei auch denken mußte, war das es Länder auf der Welt gibt, die sind so clever, daß sie auf die Packung schreiben, wann etwas hergestellt wird und nicht wann irgendein Lebensmittelchemiker oder noch schlimmer, Lebensmittelmarketingler meint, daß wir es wegschmeißen müßten. Okay, natürlich ist 3 Jahre Überlagerung für Gelatine heftig viel, andererseits, warum tun wir uns das an? Wir werden als Verbraucher hier doch auf das heftigste gegängelt und mit möglicherweise unsinnigen Vorschriften zum Neukauf gezwungen. Verbraucherschutz? Nee, glaube ich nicht. Wahrscheinlich ist das Gesetz von der Industrie zum eigenen Schutz gemacht worden, denn so gibt der Gesetzgeber wieder mal vor und man selbst ist die Verantwortung los.

2143? Weil neben dem Haltbarkeitsdatum 3. Okt. 07 eben 2143 stand – wahrscheinlich eine Kontrollziffer. Das wäre allerdings mal was.

Die Blockflöte

Wenn ich mich an meine Kindheit zurückerinnere, dann ist da schwach, also äusserst dunkel, eine Erinnerung. Irgendwann, ich weiß absolut nicht wie alt ich war, bekam ich eine Blockflöte. Ob es ein Geschenk war? Ob mir jemand seine Blockflöte übereignete? Ich weiß es wirklich nicht. Da stand ich nun, kurz wie ich war, mit dieser Blockflöte. Wenn man hineinblies, dann kam da ein Ton zum Vorschein, ehrlich gesagt, schön war der nicht. Wenn man dann mit seinen ungeschickten Griffeln irgendwie die Löcher zumachte und unterschiedlich wieder öffnete, dann veränderten sich die Töne, waren aber auch nicht schön.

Mit meiner Blockflöte spielte ich – ich meine spielen im Sinne von mit etwas spielen – denn nun ein paar Minuten herum und dann flog sie dahin, wo sie auch hingehörte, nämlich in irgendeine Ecke. Irgendwie muss mich das Thema nicht so ganz losgelassen haben, denn auf eine Weise war ich immer damit beschäftigt, einen Dummen zu finden, der dieses ominöse Instrument beherrscht. Eines Tages habe ich auch jemanden gefunden. Ich glaube, meine Erinnerung kann mich hier aber auch trügen, es war meine Tante Käthe, die Schwester meiner Mutter. Die war nun in der Lage auf dem Instrument eine Melodie zu blasen. Die Melodie war schön, die Töne aber immer noch grausam. Meine Blockflöte blieb die überwiegende Zeit, in der sie bei mir war, in der Ecke. Nur manchmal, manchmal blies ich nur so für zwei oder drei Minuten auf ihr herum, um sie wieder, frustriert ob der Tatsache, dass ich nichts hervorbrachte außer grauenhaften Tönen, in ihre Ecke zu befördern.

Das nächste Mal ist mir dann erinnerlich, dass mir eine Blockflöte bei meiner Schwester begegnete. Meine Schwester Susanne ist 7 Jahre jünger als ich. Ergo ist meine Erinnerung fester. Da meine Schwester nun einmal ein Mädchen ist, und nicht so ein musikerziehungsunwürdiger Knabe wie ich, bekam sie wöchentlich Musikunterricht. Dann schob sie immer mit ihrer Blockflöte ab, in Richtung irgendeiner vertrockneten alten Jungfrau, zum üben. Ab und an klopfte ich ab, wie denn der Fortgang so sei und ließ mir dazu von ihr etwas vorspielen. Die Töne waren immer noch grausam in meinen Ohren und darüber hinaus stellte ich – ich gebe es zu – gehässig fest, dass ihre melodischen Fähigkeiten nur ein paar Prozent oberhalb der meinigen lagen. Jedenfalls ist aus meiner Schwester keine Anne Sophie Mutter der Blockflöte geworden.

Fertig? Nein! Die Blockflöte begegnete mir noch einmal. Bei meinem eigenen Sohn. Ich gebe unumwunden zu, ich habe meinen Sohn gequält, körperlich und seelisch. Da ich ob meiner eigenen Erfahrungen, als zu blöde für musikalische Leistungen gehalten zu werden, der Ansicht war und bin, dass jedes Kind es verdient musikalisch unterwiesen zu werden, wenn es dies denn möchte, gab ich meine „Permission“ zum Blockflötenunterricht. Nicht ganz kampflos muss ich zu meiner Ehrenrettung anfügen. Ich wehrte mich heftig gegen die Blockflöte – nicht gegen den Musikunterricht als solches. Leider verlor ich den Kampf. Aber diskutieren Sie mal mit Ihrer begründeten Antihaltung zum Blockflötenunterricht gegen eine Handvoll aufgebrachter Mütter, die Männer grundsätzlich für kompetenzlos im Hinblick auf Erziehungsfragen halten.  Da ich die Schlacht verloren gab, ging mein Sohn nun zum Blockflötenunterricht. Tröstlich war für mich nur, dass er erstens melodisch begabt ist, zweitens die Töne immer noch grauenhaft klangen und drittens, Häme über Häme, dass er keinen Bock auf das Instrument hatte. Mein Sohn spielt leidlich Gitarre, ein Genie wird er da wohl auch nicht. Macht aber auch nichts, denn er singt wirklich sehr gut. Auch die Stimme meines Ablegers. Und selbstverständlich beansprucht meine Frau, dass diese Gabe genetisch von ihr herrührt – sei’s drum.

Blockflöten hasse ich aber weiter, versprochen. Ich gelobe feierlich, dass ich für meine Enkel wie ein Panther gegen Blockflötenunterricht kämpfen werde. Bei meinem Sohn Till entschuldige ich mich für mein Versagen und die zugelassene Körperverletzung.

Die Triangel

ist ein merkwürdiges Instrument, welches offensichtlich nur merkwürdige Leute spielen, ich meine noch merkwürdigere Leute als jene, die Blockflöte spielen. Als ich im Kindergarten war, auch damals bleute man mir schon ein ich sei dämlich, mußte ich immer die Triangel spielen. Vielleicht sollte ich hier einfügen, daß meine Frau und auch mein Sohn steif und fest behaupten ich sei völlig unmusikalisch. Neuere Untersuchungen haben sehr zu meiner Freude und hoffentlich zur späten Einsicht meiner verbohrten protestantischen Kindergärtnerinnen – Erzieherinnen so in der Art und Qualität meiner Frau waren das beileibe nicht – ergeben, dass es gar keine unmusikalischen Menschen gibt. Selbst Neugeborene hören Mißtöne in einer Melodie heraus, instinktiv sozusagen, ohne daß sie je Musikunterricht genossen hätten. Jedenfalls hatten die „Verbohrten“ wohl erkannt, dass ich zu dämlich sei ein Instrument zu spielen oder wie man ja auch sagt, zu beherrschen. Also gab man mir welches Instrument? Genau, die Triangel. Die Triangel steht beim kollektiven Krachmachen, bei meinen hochmusikalischen Kindergärtnerinnen hieß der Krach Musik – ergo das erzeugen von Krach wohl auch musizieren – ganz hinten in der Ecke, welche die dunkelste im Raum ist. Vielleicht haben diese Ungeheuer mich auch deshalb immer in ein dunkles Zimmer gesperrt, wenn ich mich anarchistisch und standhaft geweigert habe, den angeordneten Mittagsschlaf zu mitzumachen. Oder ich habe, nennt man dann wohl Umkehrschluss, die Triangel gar nicht deshalb bekommen weil ich doof bin, sondern um meine nicht zu besiegende Renitenz zu strafen. Jedenfalls war für mich nur die Triangel drin.

Nun ist das spielen der Triangel in der Krachband an sich ja nicht schlimm, sollte man meinen. Allerdings unterschätzen wir hier die Gemeinheitsfähigkeit der „Drillsergeants“. Die nahmen das Instrument in doppelter Hinsicht her um mich fertig zu machen. Denn wie gesagt, dass spielen der Angel, heißt die vielleicht Angel weil sie an einem Band hängt? ist im Allgemeinen nicht schwer oder gar unzumutbar. Die Demütigung des Delinquenten, das Idioteninstrument zu bekommen, läßt sich lustvoll steigern, mindestens bei unter sechsjährigen. Der Triangelspieler hat so im Schnitt pro Minute einen, allerhöchstens aber zwei, Einsätze. Die verpaßt er aber regelmäßig, weil er ja zur Trägheit verdammt ist und somit unkonzentriert den richtigen Zeitpunkt verschläft. Das rechtfertigt nun wieder den strafenden, tadelnden, vor Mißachtung triefenden Blick des Sergeanten, so dass alle über den Triangelspieler, ob seiner Blödheit, lachen.

Nun kann man hoffentlich verstehen, warum die Triangel ein solch hochbeliebtes Instrument ist. Kommt als Kirsche auf der Sahne des Windbeutels noch hinzu, dass das Instrument welches man leidenschaftlich gerne mal bedienen möchte, ausgerechnet von dem Mädchen mit den längsten Zöpfen, in die man noch dazu unsterblich verliebt ist und die man als Triangelidiot niemals besitzen wird, gespielt wird.

Dagegen ist normaler Foltersadismus, wie in einigen Staaten – die von uns immer noch Entwicklungshilfe und Waffen bekommen – üblich schlicht vernachlässigbar.