Haltbar bis 2143

Neulich stand ich an unserem Tresen an der Küche und fragte meine Frau nach Gelatine. Also, ich hatte da aus Frankreich eine Foie Gras mitgebracht und dazu wollte ich Gelatinewürfelchen aus Gemüsebrühe machen. Da die Gelatine nicht auf meinem Zettel ist, ich kann nämlich nicht backen, fragte ich also nach. Meine Frau, entrüstet grinsend „natürlich habe ich Gelatine!“

Gut, dachte ich und hakte mit „Blattgelatine?“ nach.

Meine Frau daraufhin ganz stolz: „beides!“

Super, dachte ich und fing ein Gespräch über die Benutzung von Blattgelatine mit ihr an, um herauszufinden welche dämlichen Anfängerfehler sich vielleicht dadurch vermeiden ließen, wenn man eine kundige Person fragt. Dabei fing meine Frau an in unseren Schubladen, in welchen sich z. B. Gelatine befindet, zu suchen. Sie förderte dabei zwei Päckchen Gelatine in Pulverform und ein großes Päckchen Blattgelatine zutage. Ganz stolz präsentierte sie mir die Tüten und wollte sie dann wieder zurücklegen. Dann hörte ich plötzlich so ein „Oh“.

Dieses „Oh“ ist speziell. Alle heterosexuellen Männer kennen dieses „Oh“, es  bedeutet, dass Frau gerade eben für einen kurzen, kleinen, flüchtigen Augenblick (Länge etwa ½ Picosekunde) ihre eigene Fehlbarkeit erblickt hat. Das soll vorkommen, darf aber nicht. Ich sagte nur. „Und“?

„Ähm, Haltbarkeitsdatum: 3 Okt. 07“!

Ich mußte lachen und habe wohl so etwas wie: „ oh, das ist aber frisch!“ gesagt.

Fakt ist, daß wir manchmal schon Streß hatten, wenn ich auf so alte Brocken gestoßen bin. Auf der anderen Seite hatten wir Streß, wenn ich kochen sollte und irgend etwas fehlte – soviel zur Fairness von uns Männern.

Aber woran ich dabei auch denken mußte, war das es Länder auf der Welt gibt, die sind so clever, daß sie auf die Packung schreiben, wann etwas hergestellt wird und nicht wann irgendein Lebensmittelchemiker oder noch schlimmer, Lebensmittelmarketingler meint, daß wir es wegschmeißen müßten. Okay, natürlich ist 3 Jahre Überlagerung für Gelatine heftig viel, andererseits, warum tun wir uns das an? Wir werden als Verbraucher hier doch auf das heftigste gegängelt und mit möglicherweise unsinnigen Vorschriften zum Neukauf gezwungen. Verbraucherschutz? Nee, glaube ich nicht. Wahrscheinlich ist das Gesetz von der Industrie zum eigenen Schutz gemacht worden, denn so gibt der Gesetzgeber wieder mal vor und man selbst ist die Verantwortung los.

2143? Weil neben dem Haltbarkeitsdatum 3. Okt. 07 eben 2143 stand – wahrscheinlich eine Kontrollziffer. Das wäre allerdings mal was.

Die Blockflöte

Wenn ich mich an meine Kindheit zurückerinnere, dann ist da schwach, also äusserst dunkel, eine Erinnerung. Irgendwann, ich weiß absolut nicht wie alt ich war, bekam ich eine Blockflöte. Ob es ein Geschenk war? Ob mir jemand seine Blockflöte übereignete? Ich weiß es wirklich nicht. Da stand ich nun, kurz wie ich war, mit dieser Blockflöte. Wenn man hineinblies, dann kam da ein Ton zum Vorschein, ehrlich gesagt, schön war der nicht. Wenn man dann mit seinen ungeschickten Griffeln irgendwie die Löcher zumachte und unterschiedlich wieder öffnete, dann veränderten sich die Töne, waren aber auch nicht schön.

Mit meiner Blockflöte spielte ich – ich meine spielen im Sinne von mit etwas spielen – denn nun ein paar Minuten herum und dann flog sie dahin, wo sie auch hingehörte, nämlich in irgendeine Ecke. Irgendwie muss mich das Thema nicht so ganz losgelassen haben, denn auf eine Weise war ich immer damit beschäftigt, einen Dummen zu finden, der dieses ominöse Instrument beherrscht. Eines Tages habe ich auch jemanden gefunden. Ich glaube, meine Erinnerung kann mich hier aber auch trügen, es war meine Tante Käthe, die Schwester meiner Mutter. Die war nun in der Lage auf dem Instrument eine Melodie zu blasen. Die Melodie war schön, die Töne aber immer noch grausam. Meine Blockflöte blieb die überwiegende Zeit, in der sie bei mir war, in der Ecke. Nur manchmal, manchmal blies ich nur so für zwei oder drei Minuten auf ihr herum, um sie wieder, frustriert ob der Tatsache, dass ich nichts hervorbrachte außer grauenhaften Tönen, in ihre Ecke zu befördern.

Das nächste Mal ist mir dann erinnerlich, dass mir eine Blockflöte bei meiner Schwester begegnete. Meine Schwester Susanne ist 7 Jahre jünger als ich. Ergo ist meine Erinnerung fester. Da meine Schwester nun einmal ein Mädchen ist, und nicht so ein musikerziehungsunwürdiger Knabe wie ich, bekam sie wöchentlich Musikunterricht. Dann schob sie immer mit ihrer Blockflöte ab, in Richtung irgendeiner vertrockneten alten Jungfrau, zum üben. Ab und an klopfte ich ab, wie denn der Fortgang so sei und ließ mir dazu von ihr etwas vorspielen. Die Töne waren immer noch grausam in meinen Ohren und darüber hinaus stellte ich – ich gebe es zu – gehässig fest, dass ihre melodischen Fähigkeiten nur ein paar Prozent oberhalb der meinigen lagen. Jedenfalls ist aus meiner Schwester keine Anne Sophie Mutter der Blockflöte geworden.

Fertig? Nein! Die Blockflöte begegnete mir noch einmal. Bei meinem eigenen Sohn. Ich gebe unumwunden zu, ich habe meinen Sohn gequält, körperlich und seelisch. Da ich ob meiner eigenen Erfahrungen, als zu blöde für musikalische Leistungen gehalten zu werden, der Ansicht war und bin, dass jedes Kind es verdient musikalisch unterwiesen zu werden, wenn es dies denn möchte, gab ich meine „Permission“ zum Blockflötenunterricht. Nicht ganz kampflos muss ich zu meiner Ehrenrettung anfügen. Ich wehrte mich heftig gegen die Blockflöte – nicht gegen den Musikunterricht als solches. Leider verlor ich den Kampf. Aber diskutieren Sie mal mit Ihrer begründeten Antihaltung zum Blockflötenunterricht gegen eine Handvoll aufgebrachter Mütter, die Männer grundsätzlich für kompetenzlos im Hinblick auf Erziehungsfragen halten.  Da ich die Schlacht verloren gab, ging mein Sohn nun zum Blockflötenunterricht. Tröstlich war für mich nur, dass er erstens melodisch begabt ist, zweitens die Töne immer noch grauenhaft klangen und drittens, Häme über Häme, dass er keinen Bock auf das Instrument hatte. Mein Sohn spielt leidlich Gitarre, ein Genie wird er da wohl auch nicht. Macht aber auch nichts, denn er singt wirklich sehr gut. Auch die Stimme meines Ablegers. Und selbstverständlich beansprucht meine Frau, dass diese Gabe genetisch von ihr herrührt – sei’s drum.

Blockflöten hasse ich aber weiter, versprochen. Ich gelobe feierlich, dass ich für meine Enkel wie ein Panther gegen Blockflötenunterricht kämpfen werde. Bei meinem Sohn Till entschuldige ich mich für mein Versagen und die zugelassene Körperverletzung.

Die Triangel

ist ein merkwürdiges Instrument, welches offensichtlich nur merkwürdige Leute spielen, ich meine noch merkwürdigere Leute als jene, die Blockflöte spielen. Als ich im Kindergarten war, auch damals bleute man mir schon ein ich sei dämlich, mußte ich immer die Triangel spielen. Vielleicht sollte ich hier einfügen, daß meine Frau und auch mein Sohn steif und fest behaupten ich sei völlig unmusikalisch. Neuere Untersuchungen haben sehr zu meiner Freude und hoffentlich zur späten Einsicht meiner verbohrten protestantischen Kindergärtnerinnen – Erzieherinnen so in der Art und Qualität meiner Frau waren das beileibe nicht – ergeben, dass es gar keine unmusikalischen Menschen gibt. Selbst Neugeborene hören Mißtöne in einer Melodie heraus, instinktiv sozusagen, ohne daß sie je Musikunterricht genossen hätten. Jedenfalls hatten die „Verbohrten“ wohl erkannt, dass ich zu dämlich sei ein Instrument zu spielen oder wie man ja auch sagt, zu beherrschen. Also gab man mir welches Instrument? Genau, die Triangel. Die Triangel steht beim kollektiven Krachmachen, bei meinen hochmusikalischen Kindergärtnerinnen hieß der Krach Musik – ergo das erzeugen von Krach wohl auch musizieren – ganz hinten in der Ecke, welche die dunkelste im Raum ist. Vielleicht haben diese Ungeheuer mich auch deshalb immer in ein dunkles Zimmer gesperrt, wenn ich mich anarchistisch und standhaft geweigert habe, den angeordneten Mittagsschlaf zu mitzumachen. Oder ich habe, nennt man dann wohl Umkehrschluss, die Triangel gar nicht deshalb bekommen weil ich doof bin, sondern um meine nicht zu besiegende Renitenz zu strafen. Jedenfalls war für mich nur die Triangel drin.

Nun ist das spielen der Triangel in der Krachband an sich ja nicht schlimm, sollte man meinen. Allerdings unterschätzen wir hier die Gemeinheitsfähigkeit der „Drillsergeants“. Die nahmen das Instrument in doppelter Hinsicht her um mich fertig zu machen. Denn wie gesagt, dass spielen der Angel, heißt die vielleicht Angel weil sie an einem Band hängt? ist im Allgemeinen nicht schwer oder gar unzumutbar. Die Demütigung des Delinquenten, das Idioteninstrument zu bekommen, läßt sich lustvoll steigern, mindestens bei unter sechsjährigen. Der Triangelspieler hat so im Schnitt pro Minute einen, allerhöchstens aber zwei, Einsätze. Die verpaßt er aber regelmäßig, weil er ja zur Trägheit verdammt ist und somit unkonzentriert den richtigen Zeitpunkt verschläft. Das rechtfertigt nun wieder den strafenden, tadelnden, vor Mißachtung triefenden Blick des Sergeanten, so dass alle über den Triangelspieler, ob seiner Blödheit, lachen.

Nun kann man hoffentlich verstehen, warum die Triangel ein solch hochbeliebtes Instrument ist. Kommt als Kirsche auf der Sahne des Windbeutels noch hinzu, dass das Instrument welches man leidenschaftlich gerne mal bedienen möchte, ausgerechnet von dem Mädchen mit den längsten Zöpfen, in die man noch dazu unsterblich verliebt ist und die man als Triangelidiot niemals besitzen wird, gespielt wird.

Dagegen ist normaler Foltersadismus, wie in einigen Staaten – die von uns immer noch Entwicklungshilfe und Waffen bekommen – üblich schlicht vernachlässigbar.

Deutsche Bahn I oder pinkeln in Goslar

Kennen Sie Goslar? Schönes Städtchen dass, sehr süße Innenstadt. Als ich da war schien die Sonne, man konnte überall draußen sitzen und essen und trinken. Bombenwetter, eine superfreundliche Bedienung, meine Geschäftsfreunde und ich haben uns in die Sonne gesetzt und den Tag besprochen. Das ganze taten wir um die Zeit totzuschlagen, da noch drei weitere Leute aus Düsseldorf mit dem Zug anreisten und die wollten wir noch vom Bahnhof abholen. Da wir unsere Autos nur für zwei Stunden geparkt hatten, mußten wir irgendwann zu unseren Autos zurücklaufen und diese umstellen. Praktischerweise parkten wir direkt vor dem Bahnhof, damit die Leute nicht weit mit Gepäck gehen mußten. Auch „parkmäßig“ ist Goslar sehr freundlich. Wenn man bereit ist 5 bis 7 Minuten zu Fuß zu gehen, dann kann man für zwei Stunden mit der Parkscheibe parken. Sogar vor dem Bahnhof „funzt“ (neudeutsch für funktioniert) die Parkscheibe für eine Stunde. Da es so heiß war, tranken wir Mineralwasser während wir warteten. Irgendwann meinte ich dann mal, daß das Wasser langsam Richtung Blase unterwegs sei und einer meiner Kollegen meinte:

„im Bahnhof kannst Du ja noch pinkeln bevor wir losfahren“.

Natürlich kann man das. Nun war das pinkeln auf deutschen Bahnhöfen schon immer ein Geschäft für sich, man wußte ja nicht, ob geschlechtlich anders eingestellte Herren einem Avancen machen würden, oder ob man mit Geschlechtskrankheiten vom Klo zurückkäme. Aber man glaubt es kaum, die Bahn ist auch hier einer absoluten Steigerung der Garant. Ich ging nämlich fröhlich in den Bahnhof und suchte nach der Toilette. Allein ich fand keine. Eine Stimme tief in meinem inneren sagte:

„guck richtig hin, in Deutschland gibt es keinen Bahnhof ohne Toilette“!

Zunächst beruhigte mich diese Feststellung und ich lief den Bahnhof nochmals ab. Als auch bei der zweiten Runde kein Klo in Sicht kam, wurde ich langsam ärgerlich, denn ich dachte:

„es kann doch wohl nicht wahr sein, daß man auf einem deutschen Bahnhof nicht pinkeln kann“!

Aber es war kein Klo da. Also ging ich in das Büro der Bahn, wo diese an einem von zehn Schaltern manchmal Karten zu verkaufen beliebt, und das auf Weisung meines persönlichen Haßfreundes „Mehdorn“ für ein paar (unserer?) Milliönchen umgebaut worden war, nur um festzustellen, daß auch dort keine Toilette ist. Nachdem ich den Ort von „Mehdorn’s-Geldverprasserei-für-Unsinn“ wieder verlassen hatte ging ich fröhlich grinsend und in Gedanken dieses schon schreibend in die gegenüberliegende Bahnhofsgaststätte. Diese Art Gaststätten hatten ja früher auch so Ihren Ruf als „Wasserhäuschen“ für nicht ins Bett gekommene Alkoholiker, aber hier war ich überrascht, daß es sich hier um einen sehr lichten, sauberen und adretten Ort handelte, in dem man bedenkenlos Speisen und Getränke zu sich nehmen kann. Dort gab es natürlich eine Toilette, denn der Betreiber schien ein privater zu sein. Logischerweise wollte der aber 50 Cent für den Toilettenbesuch. Die freundliche Bedienung, die mich nun Aufgriff meinte fröhlich: „eine Sekunde ich öffne Ihnen die Tür.“ Ich erwiderte, „ ich habe aber kein Kleingeld einstecken und im Portemonnaie habe ich nur zwei 50 Euroscheine“. Sie grinste und flötete, „ macht nichts, ich öffne Ihnen trotzdem“. So kam ich doch zu einer Pinkelgelegenheit. Trotz der Bemühungen von Herr Mehdorn, sozusagen. Als ich die Toilette verlassen hatte, bedankte ich mich noch mal ausdrücklich bei der freundlichen Bedienung und verließ das Lokal in Richtung Bahnsteige. Auf dem Weg dahin ärgerte ich mich über mich selbst, denn ich hatte einen fürchterlichen und unverzeihlichen Fehler gemacht. Ich hätte nämlich an den Bahnsteig herantreten sollen, meinen guten alten Luigi herausnehmen sollen, und dann in weitem Bogen – seit meiner Gesundung kann ich das wieder – auf die Gleise pinkeln sollen. Da bin ich ehrlich mal gespannt, was wohl passiert wäre. Notdurft, da kann der Richter nur den Staatsanwalt und die Bahn auslachen, falls wirklich jemand juristisch etwas unternehmen sollte.

Früher war alles besser II, oder als die Tankstellen noch keine Brötchen verkauften

Ich muß mal wieder meckernd eine Feststellung machen. Es gibt doch Dinge die früher besser waren. Denn die Tatsache, daß Tankstellen Brötchen verkaufen ist schlecht. Der Brötchenverkauf an der Tankstelle hat sicherlich dazu beigetragen, das die Bäcker heute Sonntags aufhaben dürfen und es ja auch tun. Also kann man seine Brötchen jetzt auch am Sonntag dort kaufen, wo man sie in der Woche auch kauft. Leider, oder Gott sei Dank, je nach dem wie unsereiner das sehen mag, haben die Tankstellen nicht wieder aufgehört Brötchen zu verkaufen. Und nun direkt zu meiner Odyssee:

Es war an einem Sonntag. Ich bin morgens ziemlich tranig noch – soll meinen: ich hatte noch Schlaf in den Augen – aus der Haustür getorkelt und in mein Auto rein. Dann bin ich wie „immer wieder Sonntags“ nach Bad Soden zum Bäcker gefahren. Leider war es schon nach 8:30 h, was bedeutet, daß ich nicht mehr alleine auf der Straße war, sondern die anderen Idioten – entgegen irriger Annahmen schließe ich mich immer gerne gedanklich in den Kreis der Idioten mit ein – waren auch schon unterwegs. Ich dachte noch so: „Sch… zu lange geschlafen“, da kam das erste Problem schon auf mich zu. Rechts keine Parkplätze mehr, nur gegenüber. Der Trick ist nun, im Verkehr auf der Hauptstraße in Soden so zu wenden, daß man a) in einem Zug herumkommt und b) einem keiner von dem man geglaubt hatte er brause vorbei den anvisierten Parkplatz wegschnappt, weil dann geht der Streß von vorne los. Ich hatte Glück, ich kleines Schwein, und bekam den Parkplatz. Freudig sprang ich aus meinem Auto und kaufte die 4 Brötchen für meine Frau und mich. Bitte liebe Atomstromgegner, ich weiß die Brötchen sind nicht CO2-Freundlich, weil ich ungefähr einen Liter Diesel dafür gelassen habe, aber darauf lasse ich einen, weil die Brötchen schmecken gut. Nach dem Bäcker bin ich dann die Straße runter zur nächsten „Oral“ (für ordentliche Menschen: Aral) gefahren und habe meinen Treibstoffbunker wieder aufgefüllt. Ich ging dann pfeifend zum bezahlen in den modernen Lusttempel hinein und freute mich, daß außer mir nur noch eine andere Person im Verkaufraum war. Aber man kann es sich ja denken. Diese Person spielte mit dem Tankstellenwärter Mohnbrötchen rein und Sesam wieder raus. Dann suchte der Kerl minutenlang nach Kleingeld um den Mist den er dort erwarb auszulösen. Also wartete ich einige Zeit damit ich zahlen konnte. Dabei schoß mir durch den Kopf, daß früher der Sinn einer Tankstelle darin bestand Benzin und Diesel zu verkaufen, heute wohl eher Brötchen. Das Argument, daß der Pächter an den Brötchen mehr verdient lasse ich nicht gelten, weil das Heer an Schülern die die Brötchentheke Sonntags bedienen kostet schließlich einiges Geld, oder?

Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß mir beim warten in der Tankstelle noch ein Gedanke kam. Ich war mir zur Hölle noch mal nicht sicher, ob ich beim hinausgehen zu Hause die FAS (Frankfurt Allgemeine Sonntagszeitung) im Briefschlitz gesehen hatte. Als ich dann nach Hause kam und meinen Schatz danach fragte, flötete sie:

„nein, die Zeitung ist heute nicht gekommen, hast Du das denn nicht gesehen als Du gegangen bist“?

„Nein habe ich nicht gesehen“, brummte ich, „und außerdem, Du hättest mich ja im Auto anrufen können, so kann ich jetzt noch mal losfahren“.

Mann war ich sauer. Der Sonntag fing gut an. Es half ja nichts, ich stellte also mein Eierwasser auf. Ja, ich koche die Eier im Topf, ich will wohlschmeckende Eier frühstücken am Sonntag. In kochendem Wasser exakt 5 Minuten und 30 Sekunden nach meiner Armbanduhr „ge-timed“. Dann bin ich eben bekennender Umweltzerstörer. Dann sprang ich wieder in mein Auto und fuhr zu unserer Tanke in Liederbach um die Zeitung zu kaufen. Und was glaubt man? Sicher, genau, diesmal hatte ich auch wieder nur eine Dame vor mir und die war gut drauf. Sie kaufte Brötchen, eines davon und eines hiervon und somit sehr viele verschiedene Brötchen. Damit nicht genug, verpackte die diplomierte Brötchen-Benzin-Verkäuferin alle Brötchen einzeln in eine Tüte. Als es dann an das bezahlen ging, hatte sie natürlich vergessen wie viele von welchen Brötchen in den Tüten waren. Also mußten alle Tüten noch mal kontrolliert werden und das Ergebnis wurde je Tüte immer gleich in die Kasse eingetippt, damit man mit der eigenen Vergeßlichkeit nicht noch den Montag mitvertrödelte. Als ich die Zeitung endlich bezahlen konnte kochte ich innerlich und beschloss das hier aufzuschreiben.

Will man Benzin oder Zeitungen an einer deutschen Tankstelle erwerben, dann immer nur zu brötchenneutralen Zeiten. Wenn man das ein Leben lang beherzigt, dann spart auf das ganze Leben gerechnet mindestens einen ganzen Tag ein.

Monitor und die Klimazertifikate

Gestern Abend habe ich ein kurzes Stück Monitor geguckt, etwas was ich eigentlich schon lang eingestellt hatte. Die haben sich fürchterlich darüber echauffiert, dass die Chinesen Klimazertifikate für die Vernichtung von angeblich üblen Klimakillergasen bekommen, diese dann an deutsche Kohlekraftwerksbetreiber verkaufen und jene damit Ihre sogenannten Dreckschleudern weiterbetreiben können, statt sie stilllegen zu müssen.

„Ha“, habe ich zu meiner Frau gesagt, „diese kommunistisch-grüne Klimamischpoke regt sich darüber auf? Das ist doch lachhaft. Die haben das doch gewollt. Die haben so lange rumgestresst mit Ihren grünen Gutmenschenphantasien, dass unsere (weltweit gemeint) genervte Politikerkaste diese dusseligen Zertifikate eingeführt hat. Das fanden die dann alle Klasse, haben sich selbst tüchtig gefeiert, welch tolle Burschen und Mägde sie sind und haben sich wieder auf ihre ökologisch miefende Pferdedecke zum schlafen niedergelegt. Das sie aber mit Ihrem Druck den sie gemacht haben präzise gesehen ein System der Belohnung und Bestrafung erpresst haben, ist Ihnen wohl irgendwie entgangen. Jedenfalls wissen Ökonomen sehr wohl das Anreizsysteme nur dann vernünftig funktionieren können, wenn sie auf Belohnung aus sind. Eklatanter Fehlgriff also! Worüber also regt sich jetzt Monitor so auf?“

„By the way“, noch eines: wenn die Kraftwerksbetreiber diese „Stinker“- so Monitor – abschalten würde, könnten wir Monitor nicht mehr gucken, denn dann gäbe es zur Sendezeit keinen Saft mehr aus der heiligen Ökosteckdose. Und zwar weil unsere deutschen Kapazitäten am Ende sind und der Import aus anderen Ländern Grenzen hat, welche etwas mit dem Leitungsnetz zu tun haben. Macht nix, die glauben fröhlich weiter, dass sie das alles mit Photovoltaik und Wind alleine lösen können und sorgen dafür, dass aus der Not heraus, die Kraftwerksbetreiber über 30 Jahre alte Siedewasserreaktoren – mir wird sicherheitstechnisch gerade ganz schlecht – weiterbetreiben müssen/wollen/sollen. Anstatt moderne sichere neue AKW’s auf freie Wiesenflächen zu stellen und sauber elektrische Energie zu erzeugen bis wir unseren regenerativen Mix -  ist ja immer noch ein guter Gedanke und ein tolles Ziel – irgendwann um etwas besseres ergänzen könne.

Oh, Armes Deutschland!

Rasterfahndung oder Datenschutz I

Rasterfahndung! Man muss sich dieses Wort gefallen lassen, ganz langsam sozusagen. Was ist da eigentlich: Rasta? Ach nee, das waren die Locken. Oh Frau (Mann) tut das weh, es bereitet förmlich körperliche Schmerzen. Es ist doch so: das Wort ist negativ besetzt, und zwar so negativ, dass derjenige der es sich ausdachte wohl unser aller Alptraum bleiben wird. Wegen dieses Wortes legen die Datenschützer unser Land lahm. Ihr Lieblingswort? Rasterfahndung, langsam, ganz langsam und genüsslich ausgesprochen, geht es jedem durch Mark und Bein. Weil, oh wie schlimm, der Staat sucht was oder wen.

Hätten die Erfinder dieser Methode es benannt als was es ist, nämlich eine „Merkmalskategorisierte Suche“ oder „Merkmalskategorisierter Abgleich“  (unabhängig ob mit oder ohne Computer ihr Weltverbesserer – den benötigt man hierzu nicht – das geht nämlich auch mit Karteikarten) wäre uns wahrscheinlich viel erspart geblieben. Nämlich beispielsweise Verbrecher die die Justiz nicht überführen kann, weil es nicht sein darf, dass ein Mensch der anderen etwas übles zugefügt hat, mit der Hilfe von z. B. Verkehrsüberwachungskameras überführt werden kann. Sowas aber auch! Wen schützen eigentlich die sogenannten Datenschützer in unserem ach so toleranten Land? Kinderschänder? Oh entschuldigen Sie den Ausdruck, aber sie können mich ja jetzt wegen Intoleranz zu Gefängnis verurteilen lassen, Hauptsache ihr Freund der Schänder geht straffrei aus.

Amerika I

Vor zwei Jahren bin ich mit meiner mir anvertrauten Frau nach Amerika gefahren, an die Westküste, in den Urlaub. Wie immer, oder mindestens meistens, haben wir das wieder als Individualreise geplant – soweit nötig – und durchgeführt. Angesagt war Chicago mit dem „Art Museum“, San Francisco, Los Angeles, Las Vegas und zum Abschluß noch New York inklusive dem „MoMA“ (Museum of Modern Art). Wir flogen also nach Chicago und machten unser Programm, erst das Museum, dann Sears Tower und danach zum Navy Pier. Abends noch schlechtes Essen und gute Musik in einer Blues-Bar. Soweit so gut, dann sind wir an die Westküste nach San Francisco geflogen und haben ein Auto gemietet. In SF war auch noch alles Okay, soweit ich mich erinnere. Die Kommunikation ging reibungslos, wir hatten zwei Tage Spaß in dieser verrückten Stadt. Lediglich am Flughafen hatten wir ein lustiges, aber angenehmes Kommunikationsproblem. Die Dame bei AVIS am Flughafen – dort hatte ich ein Auto reserviert – wollte immer meinen Führerschein haben, obwohl sie ihn bereits in der Hand hielt. Dann ging meiner Frau irgendwann ein Licht auf und sie zeigte auf Ihren eigenen Führerschein, daß sie es selbst sei. Dann leuchtete auch bei mir etwas, in meinem Führerschein ist ein Bild, auf welchem ich mit 20 Jahren lange, braune Haare hatte – so wie meine Frau Heute. Also glaubte die Dame sie hätte den Führerschien von meiner Frau in der Hand und verlangte immerzu den meinigen. Jedenfalls hatten wir einen Heidenspaß bei dieser Aktion –die Dame von AVIS auch, die lacht sicher Heute noch mit Ihren Enkeln über den Germanen mit den langen Haaren.

Von SF fuhren wir dann nach Süden an der Küste entlang bis Los Angeles. Dort fingen dann die Kommunikationsprobleme an. Niemand versteht mehr Englisch, das was dort dann als Englisch verkauft wird, das klingt eher wie ein russischer Dialekt aus Kalmückien, oder etwas in der Richtung. Ich entschuldige mich ja gerne für meine nicht existierenden Spanischkenntnisse, weise aber auch daraufhin, daß ich mich ja in einem Land aufhielt, in dem die offizielle Sprache Englisch ist, welches ich fließend spreche. Ziemlich genervt liefen meine Frau und ich durch diese häßliche Metropole die nach meinem Dafürhalten wirklich keinen Besuch wert ist. Am Sonntagmorgen liefen wir die Hauptstraße entlang, weil der bescheuerte Reiseführer dies empfiehlt. Auf der Straße nur Bettler, Trinker und Gangster. Meine Frau sagte immer nur:
„ich will hier weg!“
Dann plötzlich – nur für meinen Sarkasmus – stoppt mit quietschenden Reifen ein Streifenwagen neben uns, zwei „Cops“ hüpfen raus, rasen über den Bürgersteig und verhaften einen auf der Erde sitzenden Kleingangster. Sie legten ihm die Berühmten „Hand Cuffs“ an und verfrachteten ihn in ihren riesigen Streifenwagen. Die hatten den gezielt gesucht, wahrscheinlich hatte der Depp in der vorausgegangen Nacht etwas ausgefressen und war aber bekannt. Mein Kommentar zu meinem Weib war natürlich:
„siehst Du, so etwas erlebst Du nur mit mir!“
Wir bogen dann alsbald ab und liefen weiter durch die trostlosen Häuserschluchten, um dann an einer Ampel zu erleben wie Mary J. Blidge auf einem Truck, auf dessen Ladefläche ein riesiger Straßenkreuzer, umgeben von allerlei Vidoequipment, stand, in dem die Dame sang. Aus Lautsprechern dröhnte der Sound urgewaltig durch die Häuserschlucht. Eskortiert wurde dieser Aufzug von je zwei Motorrädern vorne und hinten. Ich riß zwar noch die Kamera hoch, schaffte es aber nicht mehr ein vernünftiges Photo zustande zu bringen, leider, denn das glaubt einem doch sowieso niemand, oder? Jedenfalls ärgerte ich mich von Tag zu Tag mehr über die Kommunikationsprobleme und die Ignoranz der Einwanderer, immerhin behandeln nur wenige Länder der Welt Einwanderer so gut wie die USA – und er Dank ist dann die spanische Sprachübernahme des Landes?; Nein Danke! Meine Frau fragte mich während des ganzen Urlaubs immer wieder:
„warum bist Du eigentlich mit mir in dieses Land gefahren, wenn es Dir so auf den Geist geht!“
Gute Frage! Warum eigentlich? Weil ich von diesem Land auf meinen Reisen sehr viel gesehen habe und das irgendwann mit meiner Frau teilen wollte. Eigentlich sollte meine Frau diese Reise zum 20. Hochzeitstag bekommen, aber da hatte mein langjähriger Arbeitgeber gerade beschlossen mich rauszuschmeißen und da fährt man halt nicht in den Urlaub – also sind wir ein Jahr später gefahren, auch Gut.

Auf unserer Reise habe ich nun folgende Sätze entwickelt, welche nach meinem Gefühl sehr gut beschreiben wie unsinnig und umständlich Amerikaner manchmal denken:

• Sorry Sir, this is not on our check-list.

• Thank you for not pissing in public, today.

• Please do not drive while sleeping.
(diese Idee kam erst später in China, woraufhin ich dieses Kapitel im Auto schrieb)

Früher war alles besser I

Ich habe gestern ein Eis gegessen. Zwei Kugeln Joghurteis in einer Tüte. Also in einer dieser tütenförmigen Waffeln, die irgendwer, oder irgendeine – Maschine wahrscheinlich, aus irgend etwas dreieckigem, waffelähnlichen  zu einer Tüte zusammengedreht hat. War lecker.

Dabei viel mir ein, wie das früher war. Also früher meint: als ich noch klein war und mein Eis gar nicht so schnell schlecken konnte, daß es nicht wegschmolz. Heute sind diese Eiswaffeln unten zu, aber als ich klein war, da waren die unten offen. Das bedeutete wenn man ein Eis aß, sah man hinterher aus wie ein Schwein. Man war von oben bis unten mit den feinen Sorten, Erdbeer, Himbeer etc. vollgekleckert. Das hatte zur Folge, daß man, wenn man abends wie immer zu spät zu Hause einschlug, gefragt wurde:

„wie siehst Du denn wieder aus. Altes Ferkel, das muß ich wieder waschen. Ihgitt, Erdbeer, daß geht nie wieder raus. Kannst Du denn nicht einmal ein Eis Essen“?

Nee, zum Eis essen war ich zu blöde, manisch geschädigt kleckere ich heute manchmal noch, aber damals hatte man praktisch keine Chance sauber zu bleiben. So ist es früher eben nicht besser, sondern wesentlich schlechter gewesen.