IKEA, viel besucht, viel herablassend belächelt und doch kauft man dort Möbel. So auch ich, trotz meiner allgemeinen Ablehnung von Möbelhäusern generell und IKEA im Besonderen. Allerdings ist deren Kleiderschranksystem Pax nur äußerst schwer zu toppen. Erstens ist es genial konfigurierbar, zweitens ist es qualitativ sehr gut und drittens ist es bezahlbar. Da unser Sohn dereinst einen Pax Kleiderschrank bekam und ich feststellen musste, dass das Ding wirklich gut ist, kauften meine mir von unserem Multiversum anvertraute Gattin und ich uns im Jahre 2010, anlässlich unserer Übersiedlung von Liederbach nach Bad Soden, auch einen Pax. Der Pax unseres doch recht wohlgeratenen Sohnes steht mittlerweile bei uns im Gästezimmer. Er hatte seinen Pax einst von Liederbach nach Erfurt umgezogen. Da stand er später in seiner Ex-WG immer noch, da er ihn in Berlin wegen der Höhe von 2,36 Metern nicht stellen konnte. Als der arme Pax dann im Wege stand, bin ich an einem 1. Mai in aller Frühe nach Erfurt gefahren, das Ding einzusacken. Als ich gegen kurz nach 7 Uhr in der WG einschlug, hatten die Mitbewohner ihn freundlicherweise sogar schon für mich zerlegt. So wanderte der Pax dann flugs in unseren Firmen-Berlingo. Da die Bäcker und Geschäfte in Erfurt mir nichts zu essen gegeben hatten – schließlich kann man ja am Tag der Arbeit unmöglich arbeiten, schon gar nicht im Osten – fuhr ich stante pede wieder auf die A4 Richtung Frankfurt. Gegen 9 Uhr rief ich mal meine Frau an und fragte, ob sie schon gefrühstückt hätte. Hatte sie nicht und ich sagte ihr, dann solle sie den Tisch decken, ich sei so vor 11 Uhr wieder in Bad Soden. Auf diese Weise gelangte der Pax nach Bad Soden.
Da wir mittlerweile nochmals übersiedelt sind – ich liebe Euch Österreicher – zog der Pax unseres Sohnes zum dritten und unser Pax 2021 zum dritten Mal um. Erstaunlicherweise haben beide die überhebliche Arroganz – bei gleichzeitig niedriger Intelligenz – der Umzugsleute schadlos überstanden. Auch das zeigt, der Pax der taugt. Jedenfalls war bis gestern alles super. Dann ereilte mich ein Anruf meiner Frau. Die Tür auf ihrer Schrankseite sei schwergängig. Also bin ich gestern auf die Leiter und habe das gefunden, was ich vermutet hatte. Eines der Laufräder, auf denen die Tür oben läuft, hat sich festgefressen und rollt nicht, sondern rutscht. Also habe ich geschaut, ob es das bei IKEA als Ersatzteil gibt. Zunächst erschien eine seltsame Seite im Netz, welche eine Teilenummer verlangte. Da war ich kurz ein wenig sauer. Ich dachte, ich könne das über das Produkt lösen, und nun? Aber dann sah ich das IKEA schrieb, man fände die Teilenummer in der Montageanleitung. Vor zweieinhalb Jahrzehnten wäre man nun verratzt gewesen, denn wer hebt schon die Montageanleitung nach dem Aufbau auf. Da Ausnahmen die Regel bestätigen, muss ich erwähnen, dass unser Kleiderschrank vor dem Pax innerhalb Liederbachs einmal umgezogen ist. Da waren die Umzugsleute nicht arrogant, dafür aber intelligent, denn es waren alles Freunde. Nachdem wir irgendwann den Kleiderschrank zerlegt hatten, fanden wir hinten an einem der Wandteile geheftet die Montageanleitung für das Ding. Die Monteure hatten sich offensichtlich Jahre vorher etwas dabei gedacht.
Nun ist heutzutage dem Multiversum sei Dank alles Online. Also nach der Montageanleitung für den Pax gegoogelt und siehe da: IKEA sagt, findet man beim Produkt. Stimmt, sehr löblich gemacht IKEA. Dort also die Montageanleitung für die Türen geöffnet und die kleine Nummer neben der Abbildung des Teils kopiert. Dann einfach in die Ersatzteilsuche eingefügt und zwei davon in den Warenkorb – nur eines wechseln wäre blödsinnig. Na dachte ich bestelle doch für die andere Seite auch gleich mit, dann ist es komplett neu. Also auch das in den Warenkorb. Dann will IKEA wissen, warum man das braucht. Da kann man angeben, dass es ein Ersatzteil für ein bestehendes Produkt ist. Als Nächstes will IKEA Daten haben, wer man ist, wo man wohnt und wie man zu erreichen ist. Danach muss man dann noch das Häkchen im EU-Datenschutz-Wahn-Kästchen setzten und schickt die Bestellung ab. Gefolgt von, huch, was nun, man landet auf keiner Seite zur Bezahlung, Nein, IKEA schreibt, die Bestellung ist kostenlos. Wo gibt’s denn sowas? Das geht doch gar nicht ihr Schweden. Norwegen rudert, Schweden ist unternehmerisch intelligent und macht den Kunden froh und glücklich. Chapeau, das hat nicht jedes Unternehmen drauf.
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