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Was einen 20th Century Digital Boy mit tanken und beten verbindet

Ich habe viele Meisen. Eine darunter ist jene, alles und jedes neue auszuprobieren. Eigentlich fing alles mit Devisentauschautomaten am Flughafen Frankfurt an. Irgendwann tauchten diese Dinger auf und ich verspürte den unheimlichen Drang sie auszuprobieren. Also tauschte ich nach einer Rückkehr aus England meine restlichen Pfund Sterling in harte Deutsche Mark zurück. Ich war fasziniert wie gut das funktionierte. Seitdem lebe ich meine Macke voll aus. Alles Neue wird gnadenlos getestet und entweder ins Repertoire überführt oder als „Scheiße“ gebrandmarkt für immer ausgeschlossen – da bin ich ein absolut schwarz-weiß denkender Mensch. Meine mir von unserem Multiversum anvertraute Gattin amüsiert sich immer über mich, wenn ich plötzlich sage: „oh, neu, das muss ich ausprobieren“! Sie weiß dann, dass die Rückmeldung im positiven Fall recht schwärmerisch ausfallen kann, denn ich liebe intelligente Lösungen. Allerdings lacht sie auch immer, wenn im negativen Fall die Tiraden über debile Leberwurstbrötchenschmierer und oder die angerichtete „Scheiße“ heftig ausfallen. Da ich seit meinem zweiundzwanzigsten Lebensjahr – also seit 1982 – vor Computern hocke und noch Assembler gelernt habe, bezeichne ich mich immer als 20th Century Digital Boy. Das mache ich natürlich auch, um die junge Generation, welche glaubt wir Boomer seien Digitallegastheniker, und sie selbst Digital Natives, zu ärgern und darauf hinzuweisen, dass wir im Gegensatz zu X. Y und Z‘s wissen, warum der ganze Kram überhaupt funktioniert.

Tanken und beten bezieht sich auf das bei Mercedes in die Fahrzeuge integrierte Fuel & Pay. Das Auto nervte mich immer wieder mal mit der Einblendung der Funktion auf dem Bildschirm, wenn ich auf einer Tankstelle stoppte. Irgendwann sagte ich mir, warum nicht, probiere es mal aus. Gesagt, getan, man geht also in seinen Mercedes & Me Account und beginnt das zu aktivieren. Logischerweise hinterlegt man sein Zahlungsmittel, im Idealfall eine Kreditkarte und schließt den Vorgang ab. Kurz darauf fuhr ich gespannt wie ein Flitzebogen auf eine Tankstelle. Das Fahrzeug meldete sich auch prompt und zeigte die Fuel & Pay Meldung. Ich drückte dann voller Erwartung auf den virtuellen Knopf zum aktiveren des Vorgangs. Fuel & Pay sprang an und meldete dann, dass ich nun für sage und schreibe ganze 110 Euronen den Tank mit Benzin füllen könne. Es sei hier noch erwähnt, dass dies vor dem Irankrieg geschah. Mein Fahrzeug hat einen 66-Liter-Tank – die Version mit 80 Liter hatten die Deppen von Daimler beim Modellwechsel schon beerdigt. Wenn ich eine Tankstelle anlaufe, dann meist mit eingeschalteter Reserveleuchte, schließlich will man ja als Vielfahrer nicht sein Leben auf Tankstellen verbringen. Ich überschlug dann kurz im Kopf, dass die 110 Euro aller Wahrscheinlichkeit zufolge nicht ausreichen würden den Tank komplett zu befüllen. Eine absolute Horrorvorstellung nicht vollzutanken. Mir reicht es immer schon, wenn in Frankreich beim Automatentanken der Tank nicht voll wird, weil die Karte immer nur 100 Euro freischaltet. Die Idioten von Daimler, Fuel & Pay oder wer auch immer müssen doch wissen, dass 110 Euro an einer Tankstelle so gut wie nichts sind. Können die sich nicht vorstellen, dass Handwerker oder Lieferdienste weit mehr als 70 Liter Diesel tanken können/müssen? Also benennt Euer Fuel & Pay gefälligst in Fuel & Pray um. Leute, auch hier beschleicht mich wieder das mulmige Gefühl, dass in unserem Land nur noch geistig Behinderte damit beschäftigt sind anderen das Leben schwer zu machen.

Categories: 我的金瓶梅

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