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Chinesen feilschen besser und schlimmer als Araber

Ich habe lange geglaubt, die Araber seien die härtesten Verhandler wenn es um einen Preis geht. Nun sehe ich mich eines besseren belehrt. Ich habe erlebt, das eine Chinesin auf einem Markt für mich um einen Preis gefeilscht hat. Zwischendrin zischte sie mir immer wieder den aktuellen Verhandlungstand zu. Es ging um Stempel, einen für meine Frau (Ochse), einen für mein Hasenherz – meinen Sohn (Hase) und einen für mich (Ratte). Ein Stempel sollte 100 RMB (RMB für Renminbi oder Yuan, 10 RMB etwa 1€, Anfang 2007) kosten. Da man aber das so nicht akzeptieren konnte, wurde in einem etwas längeren Gespräch, welches auf mich eher wie gegenseitiges Anschreien unter heftigem Einsatz von Fingersprache wirkte, ordentlich gefeilscht. Der Preis sank dann langsam aber sicher auf 80 RMB ab. Von den 80 RMB ging es nun irgendwann Richtung 60 RMB weiter, weil ich ja schließlich drei Stempel kaufen wolle und eben die 80 Ja für nur einen gewesen wären. „Na gut“, dachte ich, „das war’s dann“. Aber weit gefehlt, nun wurden erst einmal die Namen aufgeschrieben und hin und her diskutiert in welcher Sprache die Namen ausgeführt werden. Wir einigten uns auf lateinische Schrift und auf einmal brach wieder das Anschreien aus und die Finger wirbelten durch die Luft. Irgendwie ging es dann darum, dass man für den Stempel eine von den chinesischen Boxen und ein Stempelkissen in einem kleinen Porzellandöschen haben wollte. Da ich ja schon lange nichts mehr zu sagen hatte, verfolgte ich das ganze einfach kommentarlos und staunend weiter. Der Preis ging nun von 60 RMB in Richtung 100 wieder hoch. Aber der abgebrühten kleinen Dolmetscherin gelang es ohne Umstände, ihn auf 80 einzupendeln. Man einigte sich auf 10 – 15 Minuten für die erforderlichen Gravuren und ich zahlte 100 RMB an, denn der Händler hätte Ja vielleicht auf wundersame Weise mitsamt seinem Shop flüchten können. Dann gingen wir weiter.

Nach gut 25 Minuten tauchten wir wieder bei unserem Stempelmacher auf und nun ging es weiter. Eigentlich hätte ich jetzt den Rest zahlen wollen und gut wäre es gewesen. Während wir die Stempel kontrollierten, steigerte sich die Diskussion der zwei Chinesinnen langsam aber stetig wieder in Richtung des schon bekannten Crescendos, des Anschreiens und die Finger verquirlten wieder die Luft, weil Chinesen immer und ewig alle Zahlenangaben mit ihrer flinken Fingersprache unterstreichen müssen. Bei heftigstem Anschreien ging nun der Preis von den 80 RMB pro Stempel wieder auf 60 RMB herunter. Ich dachte nur, „verdammt. Der Händler hatte drei Stempel angefertigt, wenn wir nun einfach gingen hätte ich zwar 100 RMB in den Sand gesetzt, der Händler hätte nichts verdient und keine Chance die Stempel anderweitig loszuwerden. Er muss also mit dem Preis nachgeben; zähneknirschend, aber gezwungenermaßen“.

Ich bezahlte die noch ausstehenden 80 RMB, steckte meine Stempel ein und ging kopfschüttelnd und um eine tiefe Erfahrung reicher mit der Dolmetscherin weiter. Wenn mir also ein Europäer, oder gar ein Amerikaner erzählt, er hätte die Chinesen auf dem Tisch, oder unter Kontrolle, dann kann ich darüber nur in lautes Gelächter ausbrechen. Sie sind nett, die Chinesen, aber im Verhandeln clever, abgebrüht, kreativ und flink. Perfekt im Ausdenken einer neuen Strategie um den andren zu verwirren und zur Aufgabe zu zwingen.

Categories: 我的金瓶梅

admin

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