Was Fußball betrifft leben wir in einer konfessionsverschiedenen Familie. Unser Sohn ist im Rhein-Main-Gebiet sozialisiert worden und daher Eintracht-Fan. Wie sollte er auch nicht, alle seine Kumpels, die Eltern derer und was sonst noch in seiner Umgebung auftauchte war für Zwietracht Frankfurt. Dass sein Vater Werder-Fan ist, damit musste und muss er immer noch leben. Dass ich die Eintracht noch weniger leiden kann als Bayern München, damit hat er allerdings ein leichtes Problem. Bei den Münchnern muss man wenigstens deren Leistung anerkennen. Die Eintracht bezeichne ich immer nur als Hooligans. Jedenfalls ist mein Enkel logischerweise Eintracht-Fan gewesen. Vor etwas mehr als einem Jahr nun kam er plötzlich und meinte er sei BVB-Fan. Ich dachte so, Dortmund, passt, super, damit kann der Opa gut leben. Kurz darauf war ich dann beruflich in Dortmund. Da ich leere Flaschen wegbringen und Wasser kaufen musste, fuhr ich zwischen zwei Terminen bei Kaufland vorbei. Die hatten dort ein Regal mit BVB-Devotionalien. Also kaufte der Opa eine BVB-Klingel für des Enkels Fahrrad und noch eine andere Kleinigkeit für seine Schwester. Als ich ihm dann die Klingel schenkte, meinte er etwas verschämt:
„ach Opa, ich bin jetzt doch wieder Eintracht-Fan.“ Na ja, sowas kommt vor. Außerdem hatte ich die Klingel ja auch ein bisschen als Frotzelei gegenüber seinem Vater – der Alte kann‘s nicht lassen – gekauft.
Wenn unsere Enkel, sowie gegebenenfalls unser Sohn plus Gefährtin und Patchworkenkelin, bei uns zu Besuch sind, dann sind wir zischen 5 und 7 Personen zum Frühstück. Zum Frühstück koche ich jedem ein Ei. Meint hier, der Ingenieur kocht jedem ein Ei. Das erste Ei ist für meine mir von unserem Multiversum anvertraute Gattin und muss steinhart zu Tode gekocht werden. Das wandert erstmal für 3½ Minuten in den Topf. Dann folgen Wachsweiche Eier für den Rest der Brigade für eine Minute ins Wasser. Danach dann erst mein Ei für fünf Minuten – ich bin ein Fan eines weichen Dotters mit einem leichten weißen Restglibber. Nur neuerdings tendiert unser Jannis zu einem etwas weicheren Ei, weshalb sein Ei nunmehr 30 Sekunden kürzer als die Eier der Anderen kocht. Der Ingenieur braucht also für 4 Gargrade 8½ Minuten. Um die Eier auseinander zu halten, werden diese nach dem Cracken der Eihülle – bloß nicht hineinstechen, den Piker braucht man nur um Cracks in der Eihülle zu erzeugen, damit es nicht platzt – beschriftet. Meine Frau bekommt schon immer ein Herz unten aufgemalt. Das hat unsere Paula irgendwann spitzgekriegt und sich beschwert:
„oh, warum bekomme ich kein Herz?“ Seitdem bekommt sie zwei Herzen auf ihr Ei gemalt. Das wird auch immer kontrolliert, das der Opa das auch ja gemacht hat. Und unser Jannis, der bekam immer „SGE“ auf sein Ei, schließlich ist der ja ein Eintracht-Fan. Soweit so gut, meines hat ein „W“ für weich drauf, und die Eier für die Anderen bleiben unbeschriftet. Nun kam Anfang des Jahres heraus, dass Jannis wieder BVB-Fan ist und die Klingel nunmehr an seinem Fahrrad angebracht ist. Das freut den Opa gleich doppelt sozusagen. Womit aber nicht mehr SGE auf das Ei kommt, sondern BVB. Nach Ostern wollte Jannis unbedingt zu meinem Frisör – der hört jetzt rentenmäßig auf, also haben wir die Chance nochmal genutzt. Ich also mit ihm dahin und der Frisör fragt mich wie er ihm die Haare schneiden soll. Ich habe dann deutlich gemacht, dass Jannis das selbst entscheiden muss und kann. Der wollte dann die Haare wie Schlotterbeck geschnitten bekommen. Woraufhin erstmal ein Bild aus dem Internet hermusste. Der Frisör gab sein Bestes und schnitt ihm genau solch einen Schlotterbeck-Schnitt. Oh, war der Junge stolz.
Schlimmer geht allerdings bekanntlich immer. Unsere Patchworkenkelin Lea ist ein wahrer, beinharter Eintracht-Fan – oder heißt das jetzt „Fanin“; oder gar „Fan:inn“? Das hat dazu geführt, dass ich vor Weihnachten eine Trainingshose – heute wohl Jogginghose genannt – mit Eintracht Logo darauf bestellen musste. Da gibt es jede Menge schlechte Kopien im Netz, aber die qualitativ gute und logomäßig korrekte Hose gibt es nur im Eintracht Fanshop. Das hat dazu geführt, dass ich dort nun einen Account habe. Den durfte ich denn zu Ostern auch gleich wieder unter erheblichem Brechreiz nutzen und ein Eintracht Federmäppchen bestellen. Ich kommentiere das immer gegenüber meiner Frau mit:
„ihr wisst alle gar nicht was ihr mir zumutet“. Ich tröste mich selbst immer mit: Opa sein, heißt auch Opa sein!
Categories: 我的金瓶梅
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