Unlängst, so vor eineinhalb Jahren, schrieb der Journalist Adolf Stock über die Probleme mit seinem Namen. Also er meinte damit nicht, dass er selbst Probleme mit seinem Namen hätte – zumindest heute als erwachsener Mann nicht. Nein, ihm ging es eigentlich nur um die Probleme der näheren und ferneren Umgebung mit dem Vornamen Adolf. Naturgemäß muss man auch fragen, ob es denn überhaupt noch zeitgemäß ist, mit dem Vornamen des ehemaligen „Gröfaz“ ein Problem zu haben. Nun ist es so, dass mein zweiter Vorname Adolf lautet. Dem ist einfach so. Als ich als Kind irgendwann zu begreifen begann, dass ich nicht nur Dieter – meine Eltern nannten mich oft genug Dirk – heiße, sondern da noch ein Adolf dranhing, wunderte mich das alles keineswegs. Hießen doch mein Großvater, 1906 geboren und mein Vater, 1938 geboren beide Adolf. Wobei mein Großvater Adolf gerufen wurde obwohl er präzise Georg Adolf hieß. Mein Vater der zwar eben einen reinrassigen Adolf ohne irgendwelche Zusätze hatte, wurde nur Addi gerufen – ausschließlich. Abschließend, obendrauf also, war der Name meines Urgroßvaters, welchen ich nie kennenlernte, er starb schon 1923, Adam, also auch mit einem schönen „A“, nur wurde der wiederum nur Albert gerufen. Na ja, hin oder her, da gab es an sich nichts zu wundern, dass ich als zweiten Vornamen den Adolf hatte. Als ich älter wurde fand ich es nur ein wenig befremdlich, dass mein in der Familie als Nazihasser bekannter Opa, meinem Vater 1938 den Vornamen Adolf verpasste und dafür auch noch „Mein Kampf“ im Ledereinband bekam. Aber als erheblicher Sturkopf sah er wohl einfach keinen Zusammenhang mit seinem Namen und dem „Gröfaz“. Mir hat er mal erzählt, dass er nach seiner Rückkehr aus russischer Gefangenschaft im Dezember 1945 den Deckel des Buches abriss und das Ding auf dem Klo draußen im Hof an die Wand nagelte, damit man sich – Klopapier war absolute Mangelware – damit den Arsch abwischen kann.
Und, wie ist nun unser Umgang mit dem Namen wirklich? Um dazu ein kurzes Beispiel anzuführen muss ich in das Jahr 2005 zurückgehen. Im Januar 2005 verstarb mein Vater völlig unvorhersehbar. In der Zeit nach seinem Tod erinnerte ich mich seltsamerweise an meinen zweiten Vornamen und im Job ärgerte ich mich schon lange, dass alle die einen zweiten Vornamen besaßen, dessen Anfangsbuchstaben mit Punkt versehen – ich arbeitete in einem amerikanische Konzern – auf ihre Visitenkarte drucken ließen. Jörg E. und Olaf G. kamen da dann zum Beispiel vor. Ich fing im Frühjahr 2005 an in meiner gesamten Privatkorrespondenz meinen zweiten Vornamen auszuschreiben. 2006 wechselte ich den Job in ein anderes Unternehmen und ließ den Namen auch auf meine Visitenkarten drucken, Dieter Adolf also. Meine Emailsignaturen sind so, nur in meinen chinesischen Namen ist der Adolf mit A. abgekürzt, weil die Chinesen damit umgehen können. Wenn der Name auch noch transliteriert würde, wäre das für Chinesen einfach viel zu unübersichtlich. Im vergangenen Jahr habe ich mal wieder im Netz etwas Aufregendes gefunden. So etwas passiert meist nur, wenn man etwas intensiv recherchiert und „google“ etwas völlig absurdes auf den Markt wirft. Erst sieht der Link thematisch interessant aus, drückt man drauf, landet man bei einem Thema welches mit dem gesuchten absolut nichts gemein hat. In diesem Fall aber war es ein Volltreffer. Ich fand die Website so interessant, dass ich den Link direkt von meiner Firmenmailadresse an Jochen Reinecke – der die Kolumne „Ins Netz gegangen“ bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung betreut – geschickt habe. Er hat das dann auch veröffentlicht. Meinem Sohn schickte ich dann eine Mail mit einem Bild der Kolumne und dem scherzhaft gemeinten Titel: „Vattingissinnezeitung“. Mein einziger und einfacher Kommentar – sorry Herr Reinecke, das müssen Sie nun aushalten – war:
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