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Ein wenig davon, warum Lückentests didaktische Menschenschinderei sind

Eines vorausgeschickt, ich hasse Lückentests. Damit hat man mir versucht Englisch beizubringen. Es ging in die Hose. Ich bin zwar im Englischen fließend, aber das verdanke ich dem Leben, meinem Beruf und meiner bescheidenen Begabung. Im Französischen ging es dann auch in die Hose. Man versuchte drei lange Jahre mir mit Lückentests Französisch beizubringen. Naja, für den Urlaub, den Supermarkt und eine nicht zu komplexe Reklamation reichen meine Kenntnisse hin. Durch Französisch kann ich technische Sachen in Spanisch leidlich lesen, aber ansonsten könnte man finalisieren, im Rohr krepiert. Da ich vollkommen schwachsinniger alter Mann mit 52 Jahren auf die Idee kam Chinesisch zu lernen, wurde mir die Ehre zuteil, mich erneut über Lückentests zu ärgern. Da ich über die Jahre immer wieder andere Lehrer und Lehrerinnen hatte, versuchten die ärmsten mir auf jede erdenkliche Weise die Sprache einzutrichtern. Das einzige was meine Lehrer und Lehrerinnen an mir wahrscheinlich bewundern ist nicht mein Talent, nicht meine Begabung, meine schlechten Fortschritte sondern allenfalls meine Hartnäckigkeit. Als damals, 1960 in meinem Geburtsjahr das „Aufgeben“ verteilt wurde, hat man mich wohl ausgelassen. Das Wort ist irgendwie nicht auf meinem Zettel – also mache ich weiter. Einmal angefangen ist aufhören für mich Aufgeben. 我努力学习 – ich lerne fleißig, trotz wenig Zeit – schließlich habe ich einen Beruf. Der einzige Vorteil, welchen ich habe ist, dass ich Einzelunterricht erhalte. Da kann man dann auch schon mal meckern, über die Lückentests. Nachdem ich das vor ein paar Wochen gegenüber meiner neuen Lehrerin getan habe, fielen mir schon während meiner Argumentation buchstäblich die „Haare aus den Schuppen“. Das Lämpchen leuchtete auf. Ich wusste schlagartig, warum Lückentests im Sprachunterricht didaktische Hochscheiße sind. Wieso Pädagogen daran festhalten, kann ich nicht verstehen.

Also, wenn man einen Satz in einem Lückentest in einer einem fremden Sprache liest oder hört, dann an die Lücke stößt, muss das Hirn die Lücke füllen. Das macht das Hirn aber in der Muttersprache, weil es noch nicht in der fremden Sprache denken kann. Also ist der Ablauf folgendermaßen: erst den fremdsprachlichen Text aufnehmen und verstehen. Dann muss man das Verstandene in die Muttersprache transferieren, um dem Hirn die Chance zu geben herauszufinden, was der vollkommen debile Pädagoge (Genus beachten), welcher sich den Test ausdachte, wohl von einem will, um dann – sollte man wieder erwarten noch wissen (also nicht längst vergessen haben) was man ursprünglich las oder hörte – die in der Muttersprache möglicherweise gefundene Antwort (Glück?), in die fremde Sprache umzusetzen und dann auch noch hinzuschreiben oder zu sprechen. Klasse oder? Dass, genau das ist Menschenschinderei. Das Umsetzen in die Muttersprache also verhindert nachgerade den gedanklichen Verbleib in der Fremdsprache und führt die Behauptung: „Das Ausfüllen solcher Lückentexte erfordert ein ausreichendes Sprachverständnis sowie eine umfassende Kenntnis des abgefragten Wortschatzes“ m. E. völlig ad absurdum. Glaubt also irgendein halbwegs vernünftiger Mensch, dass man mit solchen Foltermethoden eine Sprache erlernen kann? Früher dachte ich immer, ich sei der Doofe. Nun verstehe ich, dass ich nur zu dumm bin, so zu denken wie der Doofe, welcher sich die Lückentests ausgedacht hat. Im Englischen heißen die Dinger „cloze test“. Was „cloze“ sein soll weiß das Netz nicht. Einzige Möglichkeit die für mich Sinn ergäbe ist: der Erfinder des Wortes „Cloze“ dachte an „close“ und traute sich nicht „Kloake“ hinzuschreiben.

Und die Steigerung des einfachen Lückentests hätte ich beinahe vergessen. Wenn die Lücke am Anfang des Satzes steht, soll man aus dem zumeist kärglichen Rest deuten, was der „Sichausdenker“ sich wohl dachte, was da hin soll – oh armes Multiversum.

Categories: 我的金瓶梅

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