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Wie „Oh Tannenbaum“ mit einem Kaktus und Hồ Chí Minh zusammenhängt

Es war dereinst in Bremen, da bin ich geboren und lebte dort auch bis zu meinem 11. Lebensjahr, ich kam nach der 4. Klasse aus der Grundschule Kirchhuchting in die Grundschule an der Robinsbalje. Nach der 4. Klasse war in Kirchhuchting Schluss, obwohl damals in Bremen die Entscheidung über den weiteren schulischen Leidensweg erst nach der 6. Klasse und nicht nach der 4. Klasse erfolgte. Etwas das mich dann dummerweise durch den Wechsel mitten im 6. Schuljahr nach Ostfriesland der Möglichkeit beraubte der Hauptschule zu entgehen. Das ich dort landete schien meine Eltern irgendwie nie zu kümmern. Heute scheint die Schule an der Robinsbalje ein echter Brennpunkt zu sein – was Ja auf die Ecke in der wir wohnten auch zutrifft.  

Es muss das Jahr 1970 im Herbst gewesen sein, als die älteren Schüler auf dem Pausenhof begannen zu skandieren, „Ho ho, Ho Chi Minh“. Wir wussten zwar absolut nicht, was das heißen sollte, wir hatten keine Ahnung, was oder wo Vietnam ist oder liegt, noch war uns klar, dass Ho Chi Minh eine Person ist, gar ein General. Nur fanden es wohl alle Klasse das zu rufen, und da will man Ja nicht nachstehen, sondern dabei sein. Irgendwann kriegte dann ein Pausenaufsichtslehrer dicke Backen und faltete uns zusammen, dass wir keine Ahnung hätten worum es überhaupt geht, was das soll und dass das irgendwas mit Krieg zu tun hätte. Uns war das egal und in der nächsten Pause brüllten wir so laut wie zuvor. Man waren wir blöd, keine Ahnung aber große Fr…

In der neuen Schule gab es dann natürlich auch neue Klassenkameraden. Einer davon, sein Name war Norbert Schumacher, wurde mein bester Freund. Bester Freund in Bezug auf die Schule und den Weg dorthin. Ansonsten blieb mein bester Freund Olaf Junge, drei Mietskasernen um die Ecke. Egal, Norbert und ich saßen nebeneinander und eines guten Tages, da saßen wir dann zwar immer noch nebeneinander, nur hatten wir die hohe Ehre nunmehr in der ersten Reihe nebeneinander zu sitzen. Das hatte in unserem Fall nichts mit ARD und ZDF zu tun, das ZDF gab es zwar schon, aber den Slogan der ersten Reihe noch nicht, Nein, es hatte mit unserem gemeinsamen Hang zum Blödsinn zu tun. Vermutlich aus Unterforderung geboren. Jedenfalls hatte unsere Klassenlehrerin, deren Namen ich vergessen habe – was durchaus ihrer Farblosigkeit geschuldet sein kann – das so veranlasst. So kam dann irgendwann Weihnachten und wir mussten singen. Singen war nie meins, und schon gar nicht die öden Weihnachtslieder. Wenn überhaupt fand ich „Ihr Kinderlein kommet“ gut und mit „Stille Nacht“ kann ich leben, der Rest ist öde und stößt mich ab. Norbert ging das ähnlich. so sangen wir inbrünstig – das mache ich heute, wenn ich meiner mir vom Multiversum anvertrauten Geliebten (Gattin) zuliebe Heiligabend den christlichen Gebetstempel aufsuche, immer noch, falsch und laut um die Christen zu ärgern – fälschlicherweise immer: „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, und dann: „wie grün sind Deine Eierpflaumen“. So zogen wir das dann durch. Die Lehrerin vor uns dirigierend und wir falsch singend, merkten wir gar nicht, dass sie langsam näherkam, um uns bei den nächsten Eierpflaumen, beidhändig sozusagen, jedem eine zu scheuern. Norbert auf die linke Backe, mir auf die Rechte. Das pfefferte und war natürlich im Einklang mit allem was Lehrer damals so machten. Besser als mit dem Lineal auf die Finger geschlagen zu bekommen war die Backpfeife allerdings allemal. Norbert hat dann bei einer anderen Gelegenheit nochmal eine bekommen. Norbert kippelte mit dem Stuhl – mein Gott, welcher Schüler ist denn davon frei, derjenige melde sich bitte nicht bei mir – und es kam wie es immer kommt, er knallte hintenüber. Die Lehrerin sagte daraufhin natürlich, „siehste, siehste“. Und Norbert konterte geschickt, oder ungeschickt, dass kommt wohl auf den Blickwinkel an, „wie der Kaktus in der Wüste“, wofür er sich dann wieder einen schallenden Einschlag auf der Wange einfing – nur das ich vergessen habe ob es links oder rechts war, vermutlich aber wieder links.

Eines sollte vielleicht in Bezug auf die Schule an der Robinsbalje noch erwähnt werden. Der Schulweg, der war einfach ein einziger großer schwachsinniger Umweg. Wir mussten zweimal in die falsche Richtung laufen, dann zweimal abbiegen um erstens ein Umspannwerk zu umgehen und zweitens gab es am Bahndamm der direkt an der Schule vorbeiführte keinen Weg. Jedenfalls waren wir faul, ergo probierten wir alles aus was ging. Ein paarmal haben wir die Zäune des Umspannwerks überstiegen und ein paarmal sind wir einfach auf dem Bahndamm gelaufen. Jedenfalls kam da nie ein Zug, dachten wir zumindest. Beim Umspannwerk sind wir irgendwann von einer dieser Ex-KZ-Aufseherinnen, die es in den Mietskasernen immer gab, bei meinen Eltern verpfiffen worden, so dass ich von dieser Option dann keinen Gebrauch mehr machte. Der Bahndamm allerdings hatte seine ganz eigene Tücke für uns reserviert. Eines Morgens, es war Sommer, ein Sommer wie er früher einmal war, wir trugen kurze Hosen, liefen wir mal wieder auf dem Bahndamm, weil wir irgendwo unsere Zeit verplempert hatten und spät dran waren, und da kam doch tatsächlich ein Zug von hinten. Als wir das Desaster sahen, gab es nur einen Ausweg, die Brennnesselkolonie neben dem Bahndamm. Das war so ein Streifen von vielleicht 2½ Metern breite, in welchem Wildwuchs herrschte. Im Sommer besteht dieser Wildwuchs zum Großteil aus wunderschön hochgewachsenen Brennnesseln. Wir sprangen also da rein, die Dinger waren Mannshoch, weil noch so kurz waren. Ich kann sagen, dass „pierte“. Mit kurzen Hosen kam das einen Schmerzorgasmus gleich. Wir liefen dann als der Zug vorbei war lachend und weinend auf dem Bahndamm weiter zur Schule, kamen zu spät zum Unterricht und fingen uns dafür on top auf den Schmerz auch noch einen anständigen Einlauf ein. Danach haben wir das mit dem Bahndamm dann gelassen.

Categories: 我的金瓶梅

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