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Blockwarte

Sollte es eigentlich nicht mehr geben, gell? Beim Adolf gab es überall in den Städten Blockwarte, wie es auf dem Land war weiß ich nicht. Was ich aber weiß ist, dass die Blockwarte Spione mit dem Auftrag zur Denunziation waren. Die passten also auf ihre Nachbarn auf, ob diese vielleicht heimlich BBC hören, abfällige Bemerkungen über‘n Hitler machen oder eventuell etwas anderes gegen die Volksgesundheit unternehmen. Kurz und lang, die sollte es eigentlich nicht mehr geben. Das Problem ist nur, dass es die noch gibt. Es scheint sich dabei um eine nicht aussterbende Gattung Mensch zu handeln, die i. a. R. männlich ist.

Sie werden es sicher kaum glauben, aber mir ist so einer doch noch leibhaftig begegnet. Es war im Jahre 1985, meine Frau und ich waren gerade in eine Mansardenwohnung in Emden gezogen. Zwei Zimmer, ausreichend großes Bad und eine Riesenküche – so etwas baut heute leider keiner mehr. Je Haus waren nur drei Wohnungen drin und zwar übereinander. Insgesamt waren es 4 Häuser in einem Zug gebaut. Wir wohnten im dritten und der Blockwart im zweiten von links. Erstmal muss ich loswerden, wie ich herausfand, dass es sich um den Blockwart handelte. Zunächst viel mir auf, dass der Kerl immer überall herum wandelte und in jede Ecke guckte. Das ist schon mal etwas was mir arg missfällt – außerdem habe ich da eine Ader es zu bemerken. Dann eines Tages, ich flickte gerade etwas an dem Käfer meiner Frau, kam er bei mir angesch… und fragte so komisch:

„gestern war es aber ziemlich laut bei Ihnen!“ Ich sagte artig,

„ja, wir haben unseren Semesterabschluß gefeiert.“

Eigentlich wäre die Sache damit dann für mich auch erledigt gewesen, aber nein, er musste dann langsam erst mal etwas los werden, dass er früher bei der Polizei gewesen sei und so. Ich dachte,

„oh nein, Gott verschone mich.“

Er verschonte mich aber nicht, er gab mir die volle Breitseite. Er also weiter:

„früher sei sowieso alles besser gewesen, heute diese langhaarigen, die Studenten, Rauschgiftsüchtige und so weiter, und so weiter. Früher, da hätte es das alles nicht gegeben, wenn da was gewesen wäre sofort weg, ab, Schluss.“

Da wurde es mir zu bunt. Ich sagte,

„ach so, KZ, Nazi was, hau ab du Dreckschwein.“

Daraufhin drohte er mir Prügel an und ich lachte mich halb tot – damals war ich einsachtzig, 72 kg schwer und hatte ein Kreuz wie ein Gewichtheber. Nach diesem verbalen Zwischenfall überlegte ich mir, was macht man eigentlich mit so unbelehrbaren, beinharten Typen und ich kam zu dem Schluss, dass man sie in Anerkennung ihrer Blödheit grüßen muss. Und so grüßte ich ihn, wann immer ich ihn traf mit einem zackigen:

„Heil Hitler Herr Blockwart“.

Meine Frau regte sich immer darüber auf und wies daraufhin, dass der Mann irgendwann einen Herzinfarkt bekäme. Worauf ich dann entgegnete, was sie wohl glaube warum ich den immer so zackig grüßte.

Dem Blockwart gab ich dann später den Rest, indem ich mir den Text der „Internationalen“ besorgte und auswendig lernte. Immer wenn ich mit meinem Sohn im „Easy Rider“ vor der Brust aus dem Haus kam- ich war ein sieben-achtel Öko – sang ich dann die „Internationale“ in maximaler Lautstärke und er zuckte dann immer so komisch. Leider hatte er nicht mehr das Recht die Verbringungspapiere für „Buchenwald“ auszustellen. Leider kriegte er nie einen Herzinfarkt und lebte noch als wir dort auszogen. Solche Typen habe ich immer gehasst und hasse sie noch heute. Die nerven mich so brutal, das ich jedes Mal meinen Pazifismus verfluche. Hätte doch damals jeder Jude einen Deutschen mit ins Grab genommen, vielleicht hätte das ja etwas geändert.

Categories: 我的金瓶梅

admin

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