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Der Heeresbackmeister

Also einer meiner Vorfahren war Heeresbackmeister. Genauer gesagt mein Urgroßvater, der Großvater meiner Mutter. Da gibt es ein Bild, da steht er breit und bräsig mit Uniform und Koppel vor einem Haufen armer Schweine in weiß die arbeiten. Er arbeitet nicht, er kommandiert – schließlich hat man ja Uniform. Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Der gute Mann, Opa Rüter – so kenne ich die Geschichten über ihn – war ein wahrer Drecksack.

Irgendwann, nach dem mein Vater Adolf meine Mutter Ruth Luise Dora Gens kennen gelernt hatte, hat er bei der Familie seine Aufwartung – ja so hieß das früher – gemacht. Bei einer solchen Aufwartung, welche es war, weiß ich nicht, da hat der Opa Rüter meinen armen Vater mit in seine Stammkneipe genommen. Da hat er dann für sich und meinen Vater einen Schnaps bestellt, woraufhin Adolf wohl gesagt hat:

„wieso Schnaps, wir wollten doch auf ein Bier hierherkommen?“ Worauf der Heeresbackmeister gesagt hat,

„ja aber vor dem Bier trinkt man einen Schnaps!“ Nach dem Bier hat er dann wieder Schnaps bestellt und erzählt,

„und nach dem Bier ein´ Schnaps.“ Später hieß es dann wohl auch:

„und vor dem Schnaps einen Schnaps, und nach dem Schnaps ein Schnaps“, was ja auch irgendwie sinnig ist, oder?

Fakt ist, dass mein Vater alle diese Schnäpse wohl getrunken hat und dem Säufer da nicht wirklich Stand halten konnte. Fakt ist ferner, dass man dann aus der Kneipe nach Hause – zu dem Zuhause meiner Mutter – gegangen ist und dort zum geheiligten sonntäglichen Mittagsmahl aufgeschlagen ist. Da war dann mit meinem alten Herrn schon nix mehr los. Hat dann wohl nur gelallt wie,

„schmeckt vorzüüchlich“, oder so. Mein Urgroßvater hatte Stress. Alle haben auf ihm rumgehackt:

„wie kannst Du nur den Jungen so besoffen machen?“ Aber der Dumme war wohl am Ende mein Vater, weil Schuld hat immer der der nix dafür kann, das kennen wir ja wohl alle.

Der Heeresbackmeister hatte seinen Spaß. In der Familie ist bekannt, dass er gerne einen mochte und aus der heutigen Rückschau würde ich sagen, wir, meine Mutter, mein Sohn und ich, tragen das Risiko zur Sucht in unseren Genen. Nur meine Schwester hat er nicht beeinflusst, die muss dieses achtel woanders her haben.

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Categories: 我的金瓶梅

admin

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