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Etwas über perverse Zeitzonen und sprechende Zigarettenautomaten

Ich bin in meinem Berufsleben ziemlich herumgekommen. Ganz Europa inklusive Osteuropa, Nordamerika, China, Japan, Asien, Ozeanien, Südafrika und diverse arabische Länder. Da erlebt man so manches, was man eigentlich hätte sofort aufschreiben müssen, es aber mangels Zeit und unter Nutzung der üblichen Ausreden nicht tat. Irgendwann war ich wieder mal in Australien. Meist besuchte ich die üblichen Verdächtigen, Melbourne, Sidney und Brisbane. Irgendwann machte ich eine Reise die mich auch über Adelaide und Perth nach Alice Springs führte. Jetzt werden alle neidisch, der Depp war schon mal in Alice Springs. Jedenfalls sollte Adelaide wohl besser „Adelheide“ heißen, weil wer da durch fährt, der hat dauernd das Gefühl in Deutschland zu sein. Zu Perth sollte man wissen, dass dies die wohl perfekteste Stadt für das Alter ist. Sie hat 2 Millionen Einwohner, die kaum Stau kennen. Das Klima ist durchgehend warm, aber nie heiß oder kalt. Die Strände in der Nähe gelten als voll, wenn auf einem Abschnitt von mehreren hundert Metern Menschen am Strand sind.

Nun begab es sich, dass in Alice Springs eine Solarkonferenz stattfand und unser australischer Vertreter „der scharfe Paul“ (Paul Sharpe) organisiert hatte, das ich dortselbst einen Vortrag über unsere Solarbatterien halten sollte. Das gemeinsame Konferenzdinner fand am Abend im Casino von Alice Springs statt – wobei sich mir angesichts der Casinodichte in Südafrika und Australien immer der Eindruck aufdrängt, dass die ehemaligen Kolonialisten einen großen Hang zum Zocken haben. Nach dem Abendessen tranken wir noch ein Bier und spielten ein bisschen. Das heißt bei mir, wenn schon, dann nur Roulette. Da muss man nicht denken, man hat Pech oder Glück. Ich hatte Glück und vermehrte meine 50 Dollar (mein absolutes Limit, ich bin kein Zocker) um den Faktor 3 bis 4. Danach spielten wir ein Spiel namens „Spinner“. Dabei liegen zwei Münzen auf einem Brettchen, sie werden so in die Luft geschleudert, dass sie sich drehen. Nach der Landung heißt es „Head or Tail“, je nachdem was zwei der Münzen zeigen. Man setzt also auf Kopf oder Zahl, nur der Spinner darf nicht setzen. Zeigen die beiden Münzen unterschiedliche Ergebnisse, dann wird der Wurf (oder Spin) wiederholt. Auch dabei habe ich ein paar Dollar gewonnen, die waren es auch Wert, weil das war eine spaßige Nummer. Eigentlich hätten wir nun alle ins Bett gehen sollen, denn für den nächsten Tag war eine Exkursion in ein Aborigines-Dorf und ein Aborigines-Outback angesetzt. Es sollte um 10 Uhr losgehen. Der Abend war schön und wir verdrückten uns mit unserem Bier in eine Sesselecke und unterhielten uns. Ich schwöre, ich war zwar blau, aber immer noch im Besitz der meisten meiner geistigen Kräfte, als eine ältere, ziemlich dicke Aborigine am Zigarettenautomat neben uns ein paar Münzen einwarf und den Knopf für Ihre Sargnagelmarke drückte. Dann rumpelte es kurz, der Automat warf die Kippen aus und krächzte dann:

„thank you for your custom“. Woraufhin die Aborigine zurückbellte,

„god bless you“.

Ich schwöre nochmal, ich habe mich selten nachts um drei Uhr so gekugelt wie in diesem Casino. Danach ging es dann langsam aufs Hotelzimmer in die Heia. Da wir um 10 Uhr direkt vor dem Hotel starten wollten, stellte ich den Wecker auf 9:30 h. 30 Minutenwaren für mich schon immer genug. Aufstehen, duschen, Zähne putzen und rasieren, dann anziehen und – ich rauchte damals noch selbst – eine Kippe durchziehen. Kaffee kann, muss aber nicht. Wobei mein persönlicher Rekord, mit 55 Jahren aufgestellt, bei 12 Minuten liegt, aber abends – da bin ich wohl wacher. Irgendwann trommelte jemand an meine Tür. Ich schreckte hoch, zog eine Unterhose an und machte auf. Draußen einer der Mitstreiter vom Vortag in Khaki und mit einem Daktari-Hut. Wo ich denn bleibe. Ich guckte auf meine Uhr und erwiderte,

„wieso ist doch erst zehn vor neun“!

„Nein, “pfiff mich mein Gegenüber an, es ist zwanzig nach neun“.

Die hatten eine Zeitzonenverschiebung von 30 Minuten dort. Ich wusste, dass es so etwas in einigen wenigen Regionen der Erde, z. B. in Indien, gab, aber in Australien? Ja, doch es war so. Also machte ich mich in 10 Minuten halbwegs fertig und enterte, einige Entschuldigungen murmelnd, als letzter den Bus, wo ich dann meinen Restrausch ausschlief.

Der Tag belohnte mich dann doch noch ein wenig. Das Camp war wirklich aufschlussreich. Da hatte man eine Waschmaschine für die Aborigines aufgestellt, die wohl etwas weniger als 1000 Dollar gekostet hatte, dazu dann aber für rund 60.000 Dollar eine Solaranlage aus Panel, Wechselrichter und Batterie für deren Betrieb spendiert. Allerdings hatte ich nicht den Eindruck dass die Aborigines die Maschine auch benutzen. Hin oder her, einer der „Aussies“ meinte dann zur mir, das man halt ein schlechtes Gewissen gegenüber den „Natives“ hätte und damit dann alle unsinnigen Ausgaben rechtfertige – egal wie blödsinnig auch immer sie seien. Nun steht es einem Deutschen wohl nicht gut an, die Australier für den – nennen wir es mal – „Genozidle“ zu kritisieren, also ließ ich es auch. Das zweite an diesem Tag war der Besuch im Outback. Da stand im absoluten Niemandsland ein Backsteinhaus, welches solar versorgt war. Das Haus war ein Rohbau, ohne Türen und Fenster. Da wohnten dann zeitweise mal Aborigines auf der Durchreise drin und schliefen auf fleckigen alten Matratzen. Wir besichtigten dann die Solaranlage und die Batterie. Die hatten da in einem Wellblechkabinett eine „solar bloc“ von uns installiert. Als man das Kabinett mit den Batterien darin öffnete, viel ich beinah um. Wir hatten an dem Tag so 42 bis 43 Grad Celsius Lufttemperatur und eine geringe Luftfeuchte. Die Luft die aus der geöffneten Kabinetttür kam, die musste irgendwas bei 55 bis 60 Grad Celsius gehabt haben. Dann ist mir doch noch der Kragen geplatzt. Dazu muss man wissen, dass sich alle 10 Grad Celsius Temperaturzunahme, die Lebensdauer der Batterie halbiert. Wir reden hier über einen Reduktionfaktor zwischen 8 bis 16! Ich habe dann den Leuten gesagt, sie möchten doch bitte Löcher in die Wände machen, so dass kein Regen eindringt, aber ansonsten die Umgebungsluft frei durch zirkulieren kann (das nennen wir Ingenieure Konvektion), damit die Batterien 20 Grad kühler stehen können. Nur eines zum Abschluss noch, das die Batterie das so ausgehalten hat, widersprach erstens jedweder Theorie und zweitens habe ich einen Heidenrespekt vor unserer Batterie bekommen, das sie das so ausgehalten hat.

Categories: 我的金瓶梅

admin

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