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Geburt

So eine Geburt selbst ist für die Frau ein echt stressiger Akt, aber für den Mann, sofern er denn dabei ist, kann die Sache durchaus auch erschöpfend sein. Natürlich glaubt das niemand, schon gar keine Frau, die selbst schon geboren hat. Meine Erfahrung mit der Geburt meines Sohnes ist allerdings die, dass ich nach dem ganzen Stress völlig hin war und wunderbar geschlafen habe, in jener darauffolgenden Nacht.

Ich bin morgens aufgestanden und habe Kaffee getrunken wie immer, danach bin ich dann zu meiner Frau ins Krankenhaus gefahren, denn sie war schon zwei Tage vorher mit leichten Wehen dort hingekommen – besser gesagt, ich hatte sie mit dem Taxi dorthin gebracht. Als ich ankam sagte die Schwester gleich, „wir haben gerade versucht sie anzurufen, bei Ihrer Frau ist das Fruchtwasser abgegangen.“ Dank unserer so tollen Hebamme wussten wir, dass da kein Grund zur Panik bestand. Der Arzt hatte nun meiner Frau Treppensteigen verordnet und ich stieg mit. Eine Treppe rauf, eine Treppe wieder runter. Zur Abwechslung gingen wir dann mal zwei Stockwerke rauf, und zwei wieder runter. Das Ganze ist eine äußerst spannende Angelegenheit, wie ich allen Ärzten dieser Welt versichern kann. Allerdings hat die Sache einen Haken, ich habe zu keiner Zeit irgendwann auch nur den Hauch einer Veränderung bei meiner Frau festgestellt. Das Ende vom Lied war dann der Wehentropf. Der hat gewirkt, kann ich versichern, die Wehen kamen und meine Frau hatte Schmerzen im Rücken. Also habe ich bei jeder Wehe mit meiner Hand von hinten gegen ihre Wirbelsäule gedrückt, eben so fest wie ich mich traute und konnte. Das ging eine ganze Weile – Stunden – so. Zwischendurch hatte die Hebamme Mitleid mit mir und hat mir das Essen meiner Frau angeboten, welches ich auch dankbar und hungrig, ich hatte nämlich nichts gefrühstückt, verdrückte.

Während der ganzen Geburt habe ich meiner Frau mit aller Kraft gegen die Wirbelsäule gedrückt. Als der Junge dann endlich beschlossen hatte doch noch mal auf diesem Scheißplaneten zu erscheinen, war ich ziemlich fertig. Ich vergaß sogar meiner Frau zu sagen, dass es ein Junge ist, weil das für mich ohnehin eigentlich nicht so wichtig war. Zu dem ganzen Theater kam dann noch ein rein logistisches Problem hinzu. Auf dem ganzen Flur, in all den „Kreisssaal“ genannten Zimmern, hatten sich mehrere Frauen den ganzen Tag lang geweigert zu gebären, aber dann als es Zeit wurde, wollten sie es alle auf einmal tun. Für den Arzt ist das Problem eigentlich sehr einfach zu behandeln, weil sein Job nicht der zeitkritische ist. Für die Hebamme jedoch ist das der pure Stress, in seiner reinsten Form. Die arme raste von Zimmer zu Zimmer und half den Frauen ihre Bälger zur Welt zu bringen, eine Weltklasse Leistung war das.

Der Arzt war mittlerweile auch gestresst und wurde etwas hibbelig. Als er meiner Frau den sogenannten Dammschnitt nähen wollte, ließ er sein Besteck auf den Boden fallen und saß nun ohne Hebamme da. Also habe ich Nadel und Faden aus irgendwelchen Kästen zusammengesucht und ihm so aufgerissen, dass er es steril greifen konnte. Langsam kam ich mir vor wie eine Feldlazarettschwester mit in Praxis erworbener Notausbildung. Aber auch das haben der „Dottore“ und ich hingekriegt.

Das schönste an der ganzen Sache für mich war aber, dass ich als erster Mensch meinen Sohn baden und anziehen durfte. Das baden habe ich für einen Anfänger ganz gut hingekriegt. Für das Anziehen habe ich trotz Kursausbildung und Übungen an Menschenpuppen ungefähr 20 Minuten (später macht man das in 2 – 3 Minuten) gebraucht, habe es aber am Ende doch hinbekommen. Danach habe ich meiner Frau den Jungen zum stillen gegeben.

Categories: 我的金瓶梅

admin

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