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Howard der Kampftrinker

Vor einigen Jahren war ich mit einem Kollegen in Australien. Der Trip war abgesehen von den Wochenenden ziemlich anstrengend. Mehr als eine Woche lang, morgens hoch, Bad, Klamotten, „Brechfest“ (Breakfeast), dann Kundenbesuche und Vorträge über unsere – dies stimmt wirklich – super Produkte. Abends, wie meist in dem Job, Essen und Kneipe. Also jeden Abend jede Menge Biere, die 10 letzten Biere jeweils nicht gezählt. Die ganze Zeit über begleitet uns von unserem Partner für Australien aus Howard. Keine blasse Ahnung mehr, wie der Gute Howard mit Familiennamen hieß. Das spielt aber hier auch keine Rolle. Howard war ein echter Typ, groß, schwer, laut und mit einem großen, besser gesagt sehr großen, Bierdurst gesegnet. Nach drei Tagen hieß er bei uns, sprachen wir untereinander, nur noch „Howard der Kampftrinker“. Howard aber war der Meinung, dass sein eigentlicher Spitzname nicht „Howie“ oder so sei, sondern sein „Nickname“ sei Digger. Soweit so gut, wir hakten da nicht weiter nach und riefen ihn von da Digger, worüber er sich freute Der Typ mischte jeden Laden auf jede erdenklcihe Weise auf. Sie kennen solche Menschen, nicht zu stoppen.

In einem wirklich guten, nicht ganz so preisgünstigen und von der lokalen !High Society“ heimgesuchten Restaurant kam er von der Toilette und brüllte durch den Saal: „there are cocroaches at the toilet.“ (cocroaches: am besten übersetzt mit Kakerlaken). Wobei die besagten Kakerlaken bei Howard und seinem wirklich sehr ausgeprägten Akzents eher wie „Kockränsches“ klang.

In dem Restaurant war es augenblicklich still. Man hätte die berühmte Stecknadel fallen hören können. Leider fiel keine Stecknadel. Nachdem Howard sich, selbstredend kopfschüttelnd wieder an den Tisch gesetzt hatte, rasten drei Bedienstete Richtung „Häusel“ um nachzusehen. Wie durch ein Wunder fanden Sie nichts, beruhigten die Gäste und gaben unserem Tisch einen aus. Ob Howard weiße Mäuse gesehen hat, oder ob da wirklich Tierchen in der Toilette waren, wissen bis heute weder die an dem Abend anwesenden Gäste noch wir. Howard sprach nicht mehr darüber…

An unserem letzten Abend wieder das Gleiche, Essen, Kneipe, Howard war besonders durstig und wir soffen als gäbe es kein Morgen mehr. Irgendwann erzählte er uns dann, dass er Ja nicht immer Batterien verkauft hätte, sondern in seinen jungen Jahren alles Mögliche gemacht habe. Er zählte also nun eine ganze Menge an Jobs auf und kam dann auf Deutschland zu sprechen, und das er da mal knapp 3 Monate verbracht hätte. Wir fragten also wo. Die Antwort kam dann: „Mannheim“. Dann ging es los, unser Digger war als junger Mann als Matrose auf einer Luxusyacht für irgendeinen reichen Onkel gefahren. Jedenfalls war das bevor es Oligarchen gab, sei hier der „correctness“ halber erwähnt. Die Yacht musste wohl nach Mannheim, weil irgendwelche Ausrüstungen eingebaut werden sollten. Nun saß unser Digger da für knapp drei Monate mit einem Kollegen fest. Und wie es sich für einen guten englischstämmigen Kerl gehört, testeten die beiden die in der Umgebung fußläufig zu erreichenden Kneipen, auf der Suche nach einem „my pub“ – wir würden Stammkneipe sagen. Also sind Digger und sein Kumpel irgendwann in einer Kneipe gelandet, in der eine richtige Kneipenmatrone ihr Regiment führte und die Jungs an die Kneipenkette legte. Also sind die da jeden Abend zum Essen und Bierverköstigen hin. Und irgendwann hat die Matrone dann unseren Digger eben Digger getauft. Nun kam eben das was kommen musste. Eigentlich war unser Howard nicht zu stoppen und nicht zu toppen. Nun aber hatten wir ihn. Nur zuerst mussten wir uns beruhigen, meint unser Gelächter unter Kontrolle bringen. Nachdem wir uns sozusagen wieder eingekriegt hatten, erklärten wir ihm, mühsam an uns haltend, möglichst freundlich, dass die Matrone ihn mitnichten Digger getauft hatte, sondern Dicker.

Wenn ich an Howards Gesicht denke, muss ich heute noch lachen. Er war sprachlos, wir hatten ihn kurz vor Schluss doch noch eingefangen.

Categories: 我的金瓶梅

admin

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