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Rente mit 67

Im Juli 2009 waren meine Frau und ich in den Vogesen wandern. Auf einer unserer Touren – einer etwas Längeren – erreichten wir die Ferme Auberge (Alm) Roedelen. Wir bestellten, mit meinen rudimentären Französischkenntnissen, zwei Kaffee und zwei Gläser Riesling. Der Almwirt, ein älterer Herr, nuschelte daraufhin auf Deutsch, dass er Riessling nur in kleinen Flaschen habe, woraufhin wir eine solche Flasche bestellten. Die Kaffee kamen und waren heiß, die kleine Flasche Wein entpuppte sich als 0,75 Literflasche, woraufhin wir grinsten und uns geflissentlich an die Vernichtung des Rieslings machten. Einer Gruppe junger Frauen – also vier so um die dreißig und ziemlich grün-öko-alternativ – bot ich etwas von unserem Wein an, aber die waren nur schier entsetzt, dass ich sie zum trinken bei Tage verführen wollte. Da die Vernichtung des Weines einige Zeit dauerte und wir nichts Besseres vorhatten, sprich keine Eile geboten war, da leerte sich die Alm immer mehr, irgendwann gingen auch die jungen Frauen und wir blieben allein zurück. Als er Wirt zum kassieren kam, fing er an sich mit uns zu unterhalten. Er wollte wissen woher wir kamen und machte Witze über die deutschen Alpen – er lachte sich halb tot über seinen Witz, den ich ihm madig machte, da Ja bei günstiger Auslegung der Geographie, zumindest ein paar Quadratkilometer Deutschlands in den Alpen liegen – wenigstens sieht Wikipedia das so. Er fragte wo wir wohnen – in Cernay – hier meinte er dann Cernay werde mit „Z“ ausgesprochen und mein Masevaux (welches unter Adolf‘s Herrschaft Marsmünster genannt werden musste) fand er auch lustig ausgesprochen. Dann fing er zu erzählen an, wie das war als die Deutschen kamen – zum zweiten Mal, also 1939. Er sprach von seinem deutschen Vornamen, weil er keinen französischen haben durfte, von seinem älteren Bruder der nur einen französischen hatte und dann einen strammen „Hans“ hinzubekam. Ich fing an zu rechnen und stellte auf Grund seiner Erzählungen fest, dass er 1942 geboren war. Bedeutet, der Mann bewirtschaftet mit seiner Frau im Sommer immer noch die Alm und ist 67 Jahre alt.

Alle Welt regt sich auf, über die Rente mit 67. Jeder meint irgendwie hänge sein Glück allein davon ab, dass er ja mit 57 ½ Jahren ohne finanzielle Abstriche in Rente gehen kann. Das macht uns Glücklich? Jedenfalls vermittelt sich mir der Eindruck, über die Bezahlbarkeit, bzw. was wir unseren Kindern aufbürden die das mal bezahlen sollen, denken wir nicht wirklich nach.

Ich glaube der Almwirt ist ein glücklicher Mann – ausgeglichen und zufrieden! Vielleicht besteht sein Glück ja darin, es immer verpasst zu haben, wenn über Rente geredet wird. Möglicherweise wären wir glücklicher, würde uns nicht ständig suggeriert ein möglichst früher Renteneintritt machte Glücklich.

Nachtrag: die rote Nahles will mit Gewalt die Rente mit 63. Kann man der Frau noch irgendwie helfen?

Categories: 我的金瓶梅

admin

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