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Rhein Main Verkehrsverbund – kurz RMV – oder fahre nicht mit der Bahn


Am letzten Wochenende war in Frankfurt am Main wieder Museumsuferfest. Alles in allem leider doch überwiegend Freß- bzw. Saufbuden und fliegende Händler, die Silberschmuck verkaufen, welcher mit großer Wahrscheinlichkeit nur vernickelt ist. Oder man bietet afrikanische Kunst an, die vermutlich in einem Keller in Offenbach von Hartz-IV–Empfängern unter Sklavenbedingungen, schwarz natürlich, hergestellt wurde. Irgendwie hatte ich das Gefühl, meine mir anvertraute Frau und ich müßten mal wieder was für die Umwelt tun und mit der Bahn nach Frankfurt fahren.

Diskussion Nummer 1 ist dann natürlich unsere vielgehaßte K-Bahn. „K“ für Königsteiner Eisenbahn. Da sind die Königsteiner (Kfz-Kennzeichen: HG für Hab Geld) mächtig Stolz drauf, daß sie als einzige im Rhein Main Gebiet den Frankfurtern die Stirn geboten haben und eigenständig blieben. Für die Fahrgäste bedeutet das, sie fahren nicht mit der elektrischen S-Bahn, sondern mit stinkenden, dröhnenden Dieseltriebzügen bis zum Frankfurter Hauptbahnhof und kommen dort nicht unten auf dem S-Bahnhof an, sondern oben auf den Fernbahnsteigen. Sicher die neuen Dieseltriebzüge, welche die betonköpfigen HG’s endlich angeschafft haben, dröhnen etwas weniger, stinken aber nach wie vor. Noch zu erwähnen bleibt, daß die Taktzeit der K-Bahn wenn es gut läuft 30 Minuten ist, statt 10 bzw. 20 Minuten für S-Bahnen. Super, ich freue mich immer wieder darüber mit dieser Individuallinie zu fahren, besser gesagt meistens nicht, denn ich fahre in 25 Minuten mit dem Auto in ein Frankfurter Cityparkhaus. Dort werden wir dann allerdings immer mittels der Parkgebühren ausgeraubt. Also die Diskussion: K-Bahn, oder mit dem Auto bis zum Bahnhof Frankfurt-Höchst und dann maximal 10 Minuten warten, um mit der S1 oder S2 direkt bis zur Hauptwache zu fahren. Klare Entscheidung war natürlich Plan B. Gesagt getan – also ins Auto meiner Frau und ab geht’s.

Wir kommen in Höchst an und finden auch gleich einen kostenfreien Parkplatz 200 m vor dem Bahnhof. Wir in den Bahnhof hinein und zum Fahrkartenautomaten. Die Fahrt kostet 2 € pro Gesicht, das macht 4 € hin und 8 € für hin und zurück. Ich brummte dann wohl so etwas wie:

„kein Wunder, daß da keiner Bahn fährt, man will ja nur ein Billet und nicht die Bahn kaufen!“

Nachdem wir unsere Billets (Billets sind Fahrkarten liebe Kinder, früher hießen die so) hatten gingen wir also zum Bahnsteig. Dort angekommen stellten wir fest, daß unsere Wartezeit genau 10 Minuten betrug, zu Deutsch wir hatten gerade eine Bahn verpaßt. Ferner teilte uns die Anzeige noch mit, daß die folgende S1 nur bis Hauptbahnhof fährt. Übersetzt: wir mußten doch umsteigen. Gegenüberliegend fuhr übrigens gerade die K-Bahn aus Königstein, über unser Liederbach, zum Hbf ab – das dämpfte unseren – meinen noch mehr als den meiner Gattin – Frohsinn erst einmal. Also warteten wir 10 Minuten, ich war eigentlich schon wieder dabei innerlich den heiligen Schwur abzulegen, nur noch mit dem Auto zu fahren. Nach 10 Minuten dann endlich, die Bahn kam und wir stiegen ein. Abfahrt. Freude. Allerdings währte unsere Freude nur kurz. Zwischen Griesheim und Hbf hielt der Zug etwa 10 Minuten auf offener Strecke an und nach etwa 5 Minuten teilte uns der Fahrer dann mit, daß es „betriebsbedingte Verzögerungen“ gibt. Toll wieder gewann das Auto die Schlacht. Nachdem es dann endlich weiterging merkte ich, dass der Zug nicht in den S-Bahntunnel einfuhr sondern sich Richtung Fernbahnhof bewegte. So kamen wir dann wie Krösus mit der S-Bahn am Frankfurter Hbf auf Gleis 9 an. Mittlerweile war die S2, welche in Höchst 6 Minuten nach der S1 ankommen sollte, natürlich schon Richtung Hauptwache unterwegs. Wir stolzierten dann über den Bahnsteig – Frankfurt ist ja ein Sackbahnhof – fuhren über zwei endlose Rolltreppen zwei Etagen tiefer in den S-Bahnbereich und nahmen die nächste S-Bahn Richtung Hauptwache, wo wir dann nach einer Gesamtreisezeit von 45 Minuten ankamen. In dieser Zeit schafft die Lufthansa Passagiere von Frankfurt nach Zürich. Beziehungsweise schaffe ich es in dieser Zeit von zu Hause in ein Parkhaus in Frankfurt und fast wieder zurück. Wozu fahre ich Bahn? Um mein Leben in verdreckten, unattraktiven, übervollen Zügen mit lausiger Taktzeit und nicht vorhandener Zuverlässigkeit zu verbringen? In meinem Auto kann ich noch dazu die Musik hören die mir gefällt und meine Sitze sind auch im Stau noch bequemer als die Bänke in einer fahrenden Bahn!

Nie wieder, beschloss ich! Und noch eines: Für 8 € kann ich lange in Frankfurt im Parkhaus parken, sehr lange sogar. Und liebe Ökobrötchen kommt mir jetzt nicht mit Fröschen oder meiner Fehlkalkulation, weil das Auto braucht ja auch Treiböl und kostet Steuern und Versicherung. Bullshit, das Auto ist ein sogenanntes „Ehda“; meint: es ist ohnehin vorhanden! „So ist die aktuelle Lage an der Bahnfront!“

Nachtrag: wir wohnen nun schon einige Jahre in Bad Soden a. Ts., da haben wir eine richtige S-Bahn, die S3 vor der Haustür. Die fährt doch in sage und schreibe 26 Minuten bis zum Hauptbahnhof. Braucht dann ergo so 30 bis 35 Minuten bis Hauptwache. Aber mein Hauptargument für das „Ehda“ ist und bleibt, dass der Fahrpreis für 2 Nasen mit einem Tagesticket mittlerweile bei fast 17 Euronen liegt. Wenn ich also S-Bahn fahren sollte, dann ausschließlich wenn ich das (nämlich) nichtpersonalisierte Ticket anschließend am Bahnhof in Bad Soden weiterverschenken kann. So ihr „Kotrolletties“ von der Bahn, dann habe ich nämlich Zeit – jede Menge sogar. Ich stelle mich hin und warte. Sehe ich jemanden der meiner Ansicht nach gerne ein bisschen Asche einspar,t verschenke ich mein Ticket, damit die Räuber vom RMV nicht noch reicher werden.

Categories: 我的金瓶梅

admin

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