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The Bad Guy

Warum habe ich Ihnen das Ding mit der Lebenskrise erzählt? Weil ohne diese könnten Sie nie im Leben verstehen, wie wir unser Diplom erkämpften. Es gab da nämlich ein Problem, das hieß Professor Dr. Raabe. Der hat uns Studenten vor den Koffer gehauen, da konnte einem wirklich Bange werden. Irgendwann hatte ein äußerst intelligenter Mensch entschieden, dass in unserem Fachbereich ein Fach „Spektroskopie“ notwendig ist, und dieses als Fachprüfung abgeleistet werden muss. Fachprüfung heißt, wer dreimal durchgerasselt ist, kann sein Studium nicht beenden. Der Student nennt dies auch: Dreisterneprüfung.

Für die Nichtphysiker: bei Spektroskopie zerlegt man Licht, sichtbares oder unsichtbares, nach Wellenlänge und bestimmt die jeweilige Intensität des Lichts. Ja, liebe Professoren, wenn Ihnen der Satz gefällt, dürfen Sie ihn ohne urheberrechtliche Konsequenzen übernehmen, wenn nicht ist es auch okay. Das Problem mit der Spektroskopie ist, dass der Bereich des Lichts enorm groß ist. Da gibt es Infrarot, sichtbares Licht, Ultraviolett, Röntgenstrahlung, Gammastrahlung und einen ganz, ganz klitzekleinen Bereich des Lichts, Synchrotronstrahlung genannt. Das brauchen Sie sich nicht zu merken, selbst ich habe aus Frust und mit Absicht vergessen, wo der genau liegt. Sie müssen nur eines Wissen: im Bereich des Lichts ist der genannte Bereich zu vergleichen mit einer Erbse im Sonnensystem – und genauso wichtig ist er auch – wie die Erbse.

Dieser wilde Raabe hatte im Bereich dieser Synchrotronstrahlung gearbeitet, so nennt der Forscher es, wenn er dort forscht – arbeiten. Da ich die Fachprüfung Nummer eins nach dem dritten Semester voll in den Sand gesetzt hatte und mich im vierten, meinem Lebenskrisensemester, nicht angemeldet hatte, ja lachen Sie ruhig, ich hatte den Anmeldetermin mit meiner Frau zusammen verpennt, meldete ich mich für die Prüfung am Ende des fünften Semesters an. Meine Frau und ich versuchten zu der Zeit alles, dass sie schwanger werden möchte. Das war eine ganze Zeitlang ziemlich erfolglos. Beim Ausbleiben der Periode rannten wir ca. 36 Stunden später zum Gynäkologen, so dass mein Aufenthalt im Wartezimmer dieses Spezialschamanen normal wurde. Bei diesem sog. Frauenarzt, der übrigens ein guter und auch verständnisvoller war, las ich dann meine spezielle Sprektroskopieliteratur. Das waren so ungefähr an die 70 Seiten – in Englisch noch dazu, aber es waren die einzigen Seiten auf der ganzen gottverdammten Welt die es zu diesem Thema überhaupt gab. Kommilitonen von mir lehnten den Scheiß wegen Unverständlichkeit rundweg ab. Ich sagte mir, was soll es, und zog mir den Kram rein – vornehmlich beim Frauenarzt im Wartezimmer. Meine Frau strickte und ich las. Wenn uns einer dort gesehen hat, hat er sicherlich gedacht wir beide studieren gemeinsam Ökölogie.

Kurz und knapp, mir hat das Zeug in der Prüfung echt geholfen, ich machte das Ding mit zwei – beste Note, ich hatte sonst nirgends die beste Note. Auch diesen Professor, der lausige, unverständliche Vorlesungen gab, sich mit einem Thema beschäftigte, über welches es kaum Literatur gibt, haben wir besiegt. Das schlimmste an diesem Professor war über das vorher gesagte hinaus, dass er schon lang vor unseren Politikern ein DiMiDo war. Der kam am Montag aus Kiel angereist und verschwand Donnerstagnachmittag auf nimmer Wiedersehen. Wir Studenten waren ihm Scheißegal und die paar festgesetzten Sprechstunden war er meist wegen irgendeiner Warze am Knie nicht da. Das meine ich ist ein echter „bad guy“. So einen braucht keiner.

Categories: 我的金瓶梅

admin

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