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Urin desinfiziert

Wenn meine Frau erfährt, daß ich diese Geschichte aufschreibe, bringt sie mich um.

Mein Großvater hat mir einst erzählt, dass sie als Soldaten in Russland in bitterer Kälte Wache gestanden haben, immer mit dem Risiko Erfrierungen an Händen und Füßen zu erleiden, weil das Material, welches Adolfs ruhmreicher Armee zur Verfügung stand, immer schlechter wurde, bzw. es kam kein Material mehr nach. In einer dieser kalten Nächte, die Bedingungen müssen wirklich übel gewesen sein, da hat ein älterer Soldat zu ihm und seinem Leidengenossen gesagt:

„wenn es gar nicht mehr geht und die Gefühllosigkeit gefühllos wird, dann pisst über Eure Hände, sonst nehmen sie Euch morgen einige Finger ab“.

Mein Großvater sagte, er hätte es getan und sei ohne Erfrierungen davongekommen. Sein Mitwachsoldat tat es nicht und verlor 3 Finger. Mein Großvater erzählte weiter, dass Urin desinfiziert, heißt wenn man sich verletzt und auf die Verletzung pinkelt, dann erspart man sich Entzündungen. Gemeinhin tut man solche Stories ja als Soldatenmärchen ab, aber ich habe meinen Großvater immer als ernsten Menschen gesehen, der wenig Stuss srzählt und so habe ich manchmal einfach über dreckige Schrammen drübergepinkelt. Das machte die Wunde sauber und ich sagte mir immer, es kann nichts Schlechtes sein, was da aus meinem Körper herauskommt.

Das Urin desinfiziert, habe ich mündlich schriftlich – sozusagen. Von einem Arzt, präzise, von einem Urologen und die müssen es ja wissen. Die Sache war nämlich die, dass meine Frau und ich, als wir jung und knackig waren – heute ist sie immer noch knackig und ich zu dick – es getrieben haben wie die Hasen. Vollzug der Ehe konnte bei uns durchaus mit gymnastischen Leistungen verbunden sein. Wir probierten über die Jahre so einiges aus und beschränkten uns durchaus nicht immer auf ein einziges Mal pro Tag. Als wir uns dann endlich auf unser Kind freuen durften, änderte das an unserem Hunger aufeinander reichlich wenig. Zu unser beider Freude meinte der Gynäkologe meiner Frau, daran sei nichts Anrüchiges und wir sollten es miteinander treiben so lange wir beide Spaß daran hätten. Auch kurz vor der Geburt nähme das Kind keinen Schaden. Dem Rat des Mediziners leisteten wir gerne und bedingungslos Folge. Allerdings hat eine schwangere Frau kurz vor der Geburt einen so großen Bauch, dass nur noch ein paar mögliche Stellungen überbleiben. So trieben wir es eines Tages so, wie die Hunde es tun. Da ich an diesem Tag aber in irgendeiner Form nicht mit Glück gesegnet war, ging bei mir was schief. Nun fragt sich jeder, was soll dabei schon schiefgehen. Ganz einfach, im entscheidenden Moment, also wenn die beim Sex zu Tage tretende Flüssigkeitsmenge durch die Harnröhre nach außen dringt, verknickte ich mein allerbestes Teil. Ein Schrei von mir, der Schmerz war wirklich grauenhaft, brennend, stechend, einfach brutal. Meine Frau war ziemlich erschrocken und glaubte erstmal sie sei Schuld, war sie aber nicht, ich war zu blöd das einfachste was die Natur uns zu tun gibt, ohne Probleme hinzubekommen. Ich bin dann erstmal, nachdem ich mich ein wenig erholt hatte, ins Bad und da sah ich die Bescherung. Es trat Blut aus meinem Freund aus – meinem besten Freund. Ich war schockiert. Ich bekam eine Panikattacke und dachte ich falle in Ohnmacht, kein Witz, das empfindet Mann als Katastrophe, da kann schon der Blutdruck einsacken. Ich bin dann mit einem frisch gewaschenen Handtuch aus dem Bad wieder zurück in unser Gymnastikzimmer und habe mich auf die Pritsche gesetzt. Meinen besten Freund – habe ich dann sorgfältig auf das Handtuch gelegt und mir entsetzt angesehen, wie immer noch ein Blutstropfen aus ihm austrat. Meine Frau hatte sich derweil schon von dem Schock erholt und fing jetzt fürchterlich an zu lachen. Sie amüsierte sich königlich, wie ich da als armer Tropf saß und meinen Penis auf dem Handtuch untergebracht hatte, wie einen Verletzten auf der Bahre. Sie hat so fürchterlich gelacht, dass ich sogar ein wenig sauer wurde. Wie kann man auch jemanden auslachen, der gerade Panik um seinen besten Freund hat. Nachdem meine Frau mich so um die 10 Minuten lang ausgelacht hatte, trat dann das Folgeproblem bei mir ins Bewusstsein.

Ich hatte vor unserer gymnastischen Einlage etwa zwei Flaschen Bier getrunken. Die meldeten sich jetzt langsam und wollten wieder raus. Aber mir war wirklich nicht nach pinkeln zu Mute. Erstens brannte es inmitten meiner Harnröhre immer noch und zweitens fragte ich mich, was wohl mit der blutenden Stelle wäre, wenn ich jetzt pinkeln würde? Da ich, wenn mein Verstand normal – also panikfrei – arbeitet, ein ziemlicher Pragmatiker bin, bat ich sie mir das Telefon zu geben. Da ich ferner keine Peinlichkeiten kenne, wenn es um meinen Körper geht, rief ich im Hans Suhsemiehl Krankenhaus in Emden an. Die hatten aber keine Urologie, so dass ich dann irgendwann in Aurich landete und dort fragte ich mich bis in die Urologie durch. Während ich also mit dem Pförtner, der Empfangsdame und einer ratlos ignoranten Stationsschwester kämpfte, krümmte sich meine Frau neben mir vor Lachen. Endlich hatte ich einen Urologen an der Strippe und erzählte ihm meine ganze Misere. Meine Frau lachte nun noch heftiger, wie ich mich herabließ mich selbst zum Deppen zu machen. Nochmals, ich hatte Schiss und musste dringenst pinkeln. Das Problem mit der Blase steigerte sich langsam, aber unaufhörlich, immer mehr. Der Urologe am anderen Ende, kämpfte mühsam gegen seinen stärker werdenden Lachdrang und ich kam dann nun langsam zu dem Punkt des Wasserlassens. Da lachte der Urologe nun beherzt laut und meinte nur ganz trocken:

„na und? Dann gehen sie doch urinieren, das ist gut, Harn desinfiziert die Wunde. Was glauben Sie was wir mit unseren Patienten machen, die wir an der Harnröhre operieren? Denen geben wir extra viel Flüssigkeit, damit die mehr urinieren müssen, je besser und schneller heilt die Wunde“.

Ah, ich war gerettet. Meine Frau war nun kurz davor das zeitliche zu segnen, dem Urologen hatte ich wahrscheinlich den Tag erhellt, aber egal, ich rannte zur Toilette und machte mir vorsichtig, ja nicht heftig loslegen, schön „sutsche“, wie der Ostfriese sagt, Luft. Es kam Gott sei Dank wenig Blut und viel Urin hintendrein. Also war die Desinfektion meiner schweren Verletzung ordentlich verlaufen.

Die Stelle brannte noch längere Zeit manchmal und bei dem knicken meines besten Freundes ist bis heute noch irgendwie etwas nachblieben. Manchmal wenn er bei der Gymnastik ein wenig gebogen wird, kann ich die Stelle spüren. Wie bei meinem Opa, der hatte auch eine alte Kriegsverletzung, nur eben eine echte und die war am rechten Bein.

PS: Meine Frau hat die Geschichte mittlerweile ohne große Begeisterung gelesen und beharrt darauf, dass sie Ihre Lachkrämpfe deshalb hatte, weil ich zwischen meinem Freund und dem Handtuch ein dickes Stück Watte platziert hatte. Kann stimmen, dass muss mir in der Erinnerung abhandengekommen sein.

Categories: 我的金瓶梅

admin

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