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Von „Upgradern“ und Ruheständlern

Demnächst geht ein sehr lieber Ex-Kollege von mir in den Ruhestand und da denkt man darüber nach, was schenkt man ihm – also persönliches, etwas über das unpersönliche hinaus. Dabei erinnert man sich naturgemäß auch daran, was man mit dem Kollegen schon so erlebt hat. Eines davon möchte ich konservieren, daher schreibe ich es auf.

Der Ex-Kollege, nennen wir ihn Edgar, und ich waren Ende der neunziger Jahre in Kalifornien. Wir hatten Stress bei einem Medizintechnikkunden und ich flog so alle 6 bis 8 Wochen nach San Francisco. Immer das Gleiche, Sonntagvormittag mit Lufthansa hin, am Nachmittag ankommen, dann bis Montag früh abhängen, Steak und Bier am Sonntagabend. Dann Montag, Dienstag und ggf. noch Mittwoch mit dem Leihwagen zum Kunden bei San Jose. Am Mittwochabend dann wieder zurück. Ankunft in Frankfurt gegen sieben Uhr morgens am Donnerstag, nach Hause, duschen und umziehen, elf Uhr im Büro. Ein tolles Leben. In der ganz heißen Phase beim Kunden flogen wir zusammen zum Kunden. Geplant waren zwei Tage. Montag und Dienstag früh. So gegen drei Uhr am Dienstagnachmittag war dann klar, der Flieger in San Francisco ist weg. Ich war für Hotel, Edgar wollte heim. Also fuhren wir spätnachmittags zum Flughafen und kamen dort an, als die Maschine nach Frankfurt gerade weg war. Die freundliche Lufthanseatin meinte dann, sie bekäme uns noch in den Shuttle nach Los Angeles und dann mit der Spätmaschine gegen elf Uhr noch nach Frankfurt. So flogen wir mit einer kleinen Maschine nach Los Angeles und stiegen um. Im Wartebereich rief die Lufthansa den Edgar aus. Der meinte, „Upgrade?, mal sehen was die wollen.“

Er ging zum Counter, ich ging eine Zigarette rauchen, ich qualmte damals noch. Als ich zurück kam glänzten seine Augen, er hatte das Upgrade in die First Class eingesackt und mich noch mit dazu upgraden lassen, mit dem Argument wir reisten eben zusammen – beide oder keiner. Das macht man unter Kollegen so. Wir also in froher Erwartung auf eine erholsame Nacht im Flugzeug voller Freude in den  Jumbo, die Treppe hoch in die First Class. Da war einiges Chaos. Auf unseren beiden Sitzen saß jeweils schon eine Person. Der Purser meinte wir sollten uns erstmal in die noch freien Sitze nebeneinander setzen bis man das Chaos aufgelöst hätte. Die Klärung dauerte und dauerte. Der Purser rannte raus und wieder rein, er sprach mit Passagieren und Kollegen. Er offerierte uns zwischendurch erstmal Champagner, den wir dankbar nahmen. Edgar presste durch die Lippen; „ ich seh‘ uns schon die Treppe wieder runtergehen.“ Ehrlich?, ich sah ich das auch vor mir. Nach einer ganzen Weile mussten dann zwei Passagiere die First wieder verlassen und besagte Treppe runter. Der Purser meinte, wir könnten so wie wir saßen auch sitzen bleiben, und kam dann nochmal mit Champagner zurück zu uns. Dann entschuldigte er sich für das Chaos, da hätte der „Ground Staff“ wohl ein wenig gepennt. Woraufhin Edgar, völlig ansatzlos und ohne zu überlegen, total trocken zu ihm sagte, „na ja, das kennt man Ja, immer diese Upgrader“. Der Satz landete in meinem Hirn wie die Gerade eines Boxers auf der Nase. Ich tat dann alles um nicht zu lachen. Das schaffte ich bis der Purser wieder weg war. Klasse, diese Dreistigkeit, denn man muss wissen, dass die Flugbesatzung nicht weiß wer da ein Upgrader ist, oder wer so komplett wahnsinnig ist die horrenden First Class Preise zu zahlen.

Categories: 我的金瓶梅

admin

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