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Was die COVID-19-Zweitimpfung mit meinem Weltbild gemacht hat

Also ich bin nun einer – weil Ü60 – der ersten Kreuzgeimpften. Meint ich habe gestern für meine Zweitimpfung den mRNA-Wirkstoff von BioNTech – ich bin ein großer Freund der Binnenmajuskeln – bekommen, nachdem die Erstimpfung einen Tag nach Führergeburtstag am 21. April mit dem Vektorimpfstoff von Astra-Zeneca erfolgte.

Das ich mich impfen lasse hat zwei Gründe. Erstens – ich bin ein fürchterlicher Fatalist – so sage ich mir, „wenn es hilft, fein, wenn nicht, auch gut.“ Jedenfalls habe ich in meinen Körper 61 Jahre lang so viele Gifte aufgenommen und auch selbst in mich reingeschüttet, dass das bisschen Impfstoff mich auch nicht umbringen kann. Zweitens kann mich die von mir so verachtete Un-Kanzlerin Merkel nicht mehr überall aussperren, jedenfalls nicht ab dem 21. Juli, wenn die 14 Tage Glaubensfrist rum sind.

Lustig an der Kreuzimpfung ist, dass die glorreichen 18 Mitglieder der ständigen Impfkommission (STIKO) letzte Woche aus heiterstem Himmel heraus beschlossen haben, die Impfempfehlung für Astra-Zeneca Erstgeimpfte zu ändern. Das ist aus medizinischer Sicht auch nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar ist allerdings, dass sie das so überraschend taten, nachdem sie über Monate die Tatsache, dass diese Kreuzimpfung sehr hohe Immunität erbringt, schlicht ignoriert haben und auch im Vorfeld nicht ankündigten, sich mit dem Gedanken zur Änderung auseinanderzusetzen. Nun, das kann man von Ehrenämtlern wohl auch nicht erwarten, da sie sicher noch Besseres und Wichtigeres zu tun haben. Was mich daran so kolossal ärgert, ist die Tatsache, dass sie die Folgen und Voraussetzungen für die Umsetzung ihrer Entscheidung völlig ignorierten. Die Handlungsweise ist bezogen auf die logistischen Herausforderungen und Terminvergaben der Handelnden im Impfzirkus katastrophal. Das ist so, als würde man beim Militär eine bei winterlich nasskalter Witterung in dünnst besiedeltem Gebiet vorrückende Panzerkolonne zum umdrehen auffordern und erwarten, dass die Kolonne binnen 10 Minuten auf dem Rückmarsch ist.

So ging ich denn letzten Donnertag davon aus, dass meine Hausärztin mir entweder Astra-Zeneca – ich hätte gesagt: „hauen sie rein, Hauptsache ich bin Zweitgeimpft“ – spritzt, oder den Termin absagt. Als dann am Montag mein Mobiltelefon klingelte und Frau Doktor im Display aufleuchtete, war die Absage für mich greifbar nah, doch sie wollte nur im Vorfeld klären, dass ich auch hoffentlich nichts gegen BioNTech als Zweitimpfung hätte. Hatte ich nicht, habe ich auch immer noch nicht. Nun stellen sich im Prinzip zwei Fragen, die erste ist, warum müssen Ärzte jeden Furz mit ihren Patienten im Vorfeld abklären? Wahrscheinlich weil wir Deutsche nicht nur 83 Millionen Fußballbundestrainer sind, sondern allesamt auch Hobbyärzte. Die zweite Frage die sich stellt – ich habe sie mir aber verkniffen – ist, wie ist Frau Doktor so schnell an den richtigen Impfstoff gekommen? Das die Frau eine hervorragende Ärztin ist, das weiß ich, deshalb gehe ich Ja auch schon lange zu ihr. Das sie aber auch ansonsten fix und offensichtlich helle ist, kommt wohl noch hinzu.

Nach der Impfung bin ich dann nach Hause gefahren und überlegte mir die QR-Codes für die App CovPass gleich in der Apotheke zu holen. Das Problem das sich stellte ist, dass es in Strömen goss, das Rhein-Main-Gebiet war am absaufen. Da die Apotheken in unserem beschaulichen Taunussstädtchen von unserer Wohnung aus nur fußläufig aber nicht mit dem Auto anlauf- und anfahrbar sind, ist Regen nicht so günstig. Also überlegte ich mir von hinten durch die Brust nach Hause zu fahren und bei einer Apotheke mit Parkplätzen davor zu halten. Diese ist zwar auch nur 500 Meter von den anderen drei – wozu zur Hölle brauchen wir so viele Drogendealer? – entfernt, aber schien mir die beste Lösung. Dort angekommen erwischte ich eine nette junge Apothekerin. Nachdem sie überrascht festgestellt hatte, dass ich schon sozusagen kreuzgeimpft wurde und ich ihr klar gemacht hatte, dass ich der Auffassung sei, das „I“ in STIKO stünde wohl eher für etwas anderes als für “Impfung“, lachten wir eine Runde und sie gab die Daten in die Maske zur QR-Code-Erstellung ein. Kurz bevor die junge Dame fertig war, zückte ich instinktiv mein Portemonnaie und fragte: „was bekommen Sie? 15 Euro?“
Sie lachte und meinte,
„nichts, also Ja wir bekommen natürlich etwas für den Service, aber nicht von Ihnen, das bezahlt der Staat.“ Ich schaute wohl etwas verwirrt und erwiderte dann,
„Okay, jetzt haben Sei mein Weltbild völlig erschüttert, weil ich nicht glauben mag, dass der Staat nach 61 Lebensjahren doch noch etwas für mich bezahlt!“

Mir ist ganz unwohl im Moment, ich würde die 15 Euro gerne Herrn Spahn für seine Billigvilla überweisen, denn so fühle ich mich als hätte ich Schulden gemacht. Einfach die IBAN mailen Herr Spahn – Kleinvieh macht Ja auch Mist!

Categories: 我的金瓶梅

admin

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