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Als ich den Verkehrsfluss ganz ohne Aufwand verbesserte und was das mit richtig verstandener Mobilität zu tun hat

In unserem Taunusstädtchen ist Wahl, wie sonst auch in unserem Bundesland. Daher hängen überall Wahlplakate, große, kleine, mittlere und zu große. Zu groß deshalb, weil bei uns die Bürgersteige, wie in den meisten hessischen Innenstädten und Dörfern, zu schmal sind. Da ist immer Slalom angesagt. Im Gegensatz zur Zeil in Frankfurt – vor Corona – „slalomiert“ man dabei nicht um finstere Gestalten herum, sondern um Laternenpfähle, Verkehrsschilder, Jungbäume, Straßenaufsteller, extra große Blumenkübel und maskierte Menschen die das gleiche Problem haben. Da nun aber die Wahlplakate an jedem vertikalen Mast hängen, ist das Ganze noch deutlich nerviger geworden. Nun hat auf meinem halben Weg zum Bäcker, die CDU mittels Kabelbindern ein viel zu großes Plakat an einen Laternenpfosten gehängt. Auf dem Ding steht: „Verkehrsfluss verbessern“ und „Mobilität neu denken“. Da dachte ich bei mir – denken kann ich – und so dachte ich und am Schild angekommen, drehte ich es um 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn. Und siehe da, es ward zwar nicht Licht, aber immerhin war nun deutlich mehr Platz für gehende Menschen auf dem Gehweg. Mensch, dachte ich, noch nie wurde der Verkehrsfluss so schnell und kostengünstig gesteigert. Danken Sie mir, nicht der CDU, die sich den Blödsinn mit dem Slogan ausgedacht hat. An diesem Samstagmorgen, so dachte ich, würde sich die Sache sicher nicht mehr steigern lassen und ich würde auf konstantem „Gutelauneniveau“ den Tag auf dem Golfplatz verbringen, um schlechtes Golf zu spielen. Aber ich hatte die Rechnung ohne die SPD gemacht. Auf dem Rückweg war da ein zugegeben völlig ödes Wahlplakat der Sozialistensöldner Walter Borjans. Auf dem Plakat grinsten unter dem völlig bescheuerten Slogan: „Bad Soden wagen“ langweilige Gesichter den Betrachter an und bettelten um Sterbehilfe, für die Partei – nicht für sich selbst. Aber ein kleiner mieser Scherzkeks hatte das Schild ergänzt. Da stand nun „Arbeiterverräter“ auf einem Zusatzaufkleber. Mann dachte ich, der oder die hat es kapiert, deshalb, und weil es keine Arbeiter mehr in Deutschland gibt, wählen die Ja auch nur noch 15 bis 18 % der Menschen. Wenn Guido Westerwelle, ob der über ihm ausgegossenen Häme angesichts seiner 18 % Kanzlerkandidatur, das heute sähe, er würde sich totlachen. So ging ich an diesem Tag sehr vergnügt auf den Golfplatz, spielte schlechtestes Golf, aber das mit einer ausgesprochenen Bombenlaune.

Zwei Wochen später bekamen meine mir vom Multiversum anvertraute Gattin und ich diese ominösen Wahlzettel für die Kommunalwahl zugesandt. Email, Leute es gibt Email, da stirbt kein Baum, kein Chemiebriefmarkenkleber muss produziert werden und der Postbote kann sein Wasser mit dem eingesparten CO2 pimpen. Da fragte ich mich so bei mir selbst, „will ich da hin gehen? Will ich wählen gehen bei der Kommunalwahl?“ Die Antwort war, „nee was soll ich da. In unserem Taunusstädtchen macht die CDU ihre 59 %, das wars, Wozu also wählen?“ Als ich zu Hause angekommen mit meiner Frau über die Wahl diskutierte, war mein Argument dann aber ein anderes. Ich sagte platt, „was soll ich da, es ist mir scheißegal wer hier das Städtchen regiert, wenn es mir hier nicht mehr gefällt, dann haue ich ab, dann ziehen wir woanders hin – basta!“ Das ist richtig verstandene Mobilität. Ramm keine Anker ein, sei frei, arbeite um zu leben – „leef niet om te werke“ sagt der Holländer – und wenn Dir was nicht passt, dann sei ein Buddhist, dreh dich um und geh!

Verkehrsbehinderung

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Categories: 我的金瓶梅

admin

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