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Was ehemalige deutsche Ostgebiete mit einem BMW X6 zu schaffen hatten

Die wohl toleranteste Person die ich kenne ist meine mir von unserem Multiversum anvertraute Gattin, denn wenn es um Urlaub geht, dann bin ich ein bekloppter Typ – sonst wohl auch – aber beim Urlaub ganz besonders. Meine Frau macht so einiges mit, in doppelter Hinsicht, sie macht mit, wenn ich irgendwas Perverses für den Urlaub vorschlage und mit mir macht sie sowieso einiges mit. So schlug ich dereinst vor, nach Beirut zu fahren und dem Libanon einen Besuch abzustatten. Dann fingen die bekloppten Araber 2007 wieder an sich gegenseitig mit von uns Westlern hergestellten Feuerwaffen, Mörsergranaten und anderem Männerspielzeug umzubringen, woraufhin ich kurzerhand vorschlug, nach Tel-Aviv zu fliegen um den Israelis unsere Aufwartung zu machen – auch das machte sie klaglos mit. Sie flog auch mit mir in die USA und fuhr mit mir durch die Südstaaten und den Ford Mustang in F… Alabama leer – da machte ich dann ausnahmsweise etwas mit ihr mit. Wir machten eine andere Reise durch Kalifornien, Las Vegas und den Grand Canyon. Nachdem wir Frankreich bis auf die Bretagne und das Massiv Central in und auswendig kennen, Italien bis Rom und Südengland unsicher gemacht haben, schlug ich dann einst Südosteuropa vor und wir machten uns mit einer Karte von Österreich-Ungarn von vor 1914 und einigen Reiseführern bewaffnet auf. Wir fuhren bis Dubrovnik, dann über Mostar, Sarajewo und Belgrad wieder nach Norden um uns die ehemalige Pracht des Balkans anzusehen. Nachdem sie auch das mitgemacht hatte, wurde ich dreist und schlug Nordosteuropa vor. Auch hier willigte sie ein und ich fing an zu planen. Diese Reise machten wir mit einem BMW X6, denn ich war der Auffassung wir bräuchten wegen der Golfklamotten – wir hatten angefangen zu spielen – ein SUV mit Schrägheck, so dass ich als alter Kombihasser um den Kombi herumkam. Erst mal eine Etappe nach Schloss Teschow in Meck-Pomm zum Golfspielen, dann über Heringsdorf nach Polen rein. Dort musste sie sich dann mit mir die Städte Stettin, Belgard (dort ist mein leiblicher Großvater geboren) und Bonin (dort seine Eltern) ansehen. Dann ging es über Danzig weiter nach Königsberg. Ich dachte halt ohne Königsberg, diese sagenumwobene Stadt im sagenumwobenen Ostpreußen – so wurde uns das immer von den „Vertriebenen“ vermittelt – sei diese Reise sinnlos. Also von Danzig auf nach Königsberg – heute Kaliningrad.

Nun muss man, wenn man die Grenze von Polen in die russische Enklave überqueren will, eine EU-Außengrenze überwinden. Das sollte für uns eigentlich kein Problem darstellen, denn meine Frau hatte ein noch gültiges Jahresvisum, weil wir im Januar zu einer Feier in Moskau gewesen waren, und ich mein wertvolles Fünfjahresvisum. Leider muss man der Grenze eben auch Formulare ausfüllen. Die zwei kleinen Einreisezettelchen kannten wir ja schon, die waren schnell erledigt. Dann aber waren da noch die zwei DIN-A4 Zettel die man mir gab. Ich füllte sie aus, einen für meine Frau und einen für mich, dann stellte ich mich an. Die Matroschka im Holzverschlag schalt mich dann, meinte sowas wie „нет“ und gab mir neue Zettel. Auch die füllte ich aus und stellte mich wieder an. Dann die gleiche Prozedur. Die ehemalige KGB-Beamtin schickte mich wieder weg. Ein Pole der das mitbekam hatte Mitleid mit mir und half mir dann, indem er einige Korrekturen auf meinen Zetteln machte und ich füllte dann die neuen Zettel mit seinen Korrekturen aus. Dann stellte ich mich wieder an und siehe da, Ja genau, „same procedure…“ Völlig frustriert kehrte ich zum Auto zurück. Langsam aber sicher stellte sich so etwas wie Verzweiflung bei mir ein. Sollte die Reise hier enden? Sollte sie an diesen dämlichen zwei Bögen DIN-A4-Beamtendreck scheitern? Dann dachte ich an meine Oma – „Junge, hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott“. Ich glaube zwar nicht an den Halunken, aber ich fing an mir die Zettel genauer anzuschauen, sozusagen langsam, Wort für Wort, dabei dachte ich über das nach was ich über Russland auf meinen Reisen lernen durfte und musste. Dann durchfuhr es mich und ich fing an zu lachen, ich lachte so heftig das nicht nur meine Frau, sondern auch die anderen Opfer russischer Formalitätsbesessenheit, welche meist gepaart mit vollständiger Ignoranz auftritt, glaubten ich hätte den Verstand verloren. Nachdem ich wieder reden konnte, beantwortete ich die Blicke meiner Frau. Ich sagte, „die armen Schweine haben kein Durchschlagpapier, diese Willis wollen eine Zollerklärung inklusive des Autos, damit wir es bei der Ausreise wieder mitnehmen dürfen. Diese vermaledeiten Ex-Kommunisten sind so arm dran, dass sie es in über 35 Jahren nicht auf die Rille gekriegt haben, zu simplem Durchschlagpapier oder Kohlepapier zu kommen. Wir blöden Wessis leben in einer Welt die bei denen nicht angekommen ist. Wir hätten Anfang der 70er Jahre wenigsten Kohlepapier zwischen die zwei Blätter gepackt. Ich muss die beiden Zettel nur gleich ausfüllen, nicht einen für Dich und einen für mich. Nee, zweimal das gleiche wegen der blöden Karre hier!“
Ich tat also was ich angekündigt hatte und stellte mich erneut an. Als ich dran war leuchteten Matroschkas Augen glücklich und sie ließ uns ziehen – in ihre seltsame Enklave. Ein Exemplar der Zettel wanderte in ihre Grenzakten, das andere von Stempeln übersäte Exemplar in meiner Tasche.

Zu Königsberg muss man anmerken, dass die Menschen, die sagen da müsse man nicht hin, recht haben, aber auch nicht recht haben. Die Stadt ist hässlich, sie ist vom Sowjet geprägt, hässlich wie die Nacht. Nur wenn man die Reste des alten Innenstadtteils besucht, dann kann man ein klein wenig von der ehemaligen Schönheit erahnen. Wie die Städte in Pommern, war auch diese Stadt dereinst geprägt von einem deutschen Geist, Fleiß, Gründlichkeit und Ordnung – eben schön. Die Russen versuchen heute die Altstadt wieder herzustellen, vielleicht gelingt es sogar irgendwann, wenn ich schon lange nicht mehr lebe. Bleibt noch das Denkmal von Kant, wenigsten das haben die Kommunisten stehen lassen. Auch die Ausreise war interessant. Sie war zwar nicht so lustig zu beschreiben wie die Einreise, dafür dauerte sie aber 2½ statt nur 1½ Stunden. Wir fuhren von Königsberg über das kurische Haff – alles Dinge die ich in den sechziger Jahren noch in Erdkunde hatte, unfassbar eigentlich, das man uns das alles noch vermittelte als gehöre es zu Deutschland – nach Klaipeda. Wo die Russen gerne Urlaub machen, wenn sie ein wenig ihrer verstaubten putin‘schen Heimat entfliehen wollen und Wert darauf legen das russisch gesprochen wird. An der Grenze von Russland nach Litauen standen wir dann an einem Grenzübergang der dem Checkpoint Charly in Berlin Konkurrenz gemacht hätte. Die Litauer hatten mächtige Zäune mit riesigen Schleifen aus NATO-Draht bewehrt aufgebaut. Ich denke nur die Zäune in Ceuta und Melilla sind höher. Sie kontrollierten ihre ehemaligen Besatzer mit einer unfassbaren Akribie und Ausdauer, so dass man kaum in der Schlange vorankam. Nach 2½ Stunden hatten wir es dann geschafft und die EU hatte uns wieder. In Klaipeda übernachteten wir 7 Kilometer abseits der Stadt im Hotel am Golfplatz. Außer uns war da niemand am Abend. Ein einziges Auto die ganze Nacht auf dem Riesenparkplatz und wir allein im des nächtens unbemannten und unbefrauten Hotel. Spätestens da hätten wohl die meisten Frauen die Scheidung in Erwägung gezogen. Zum Essen in Klaipeda stellten wir fest, dass die Speisekarten nur zwei Sprachen kannten, Litauisch und Russisch. So verhasst die Russen in Litauen auch sind, wenn sie als Touristen die Kohle da lassen sind die Litauer so was von freundlich – erinnert das Irgendjemanden an irgendwas?
Nach Klaipeda haben wir dann die Reise durch Litauen, Lettland und Estland fortgesetzt um dann vom Endpunkt Riga durch das berüchtigte Suwalki-Gap, eine nur 100 km lange Lücke zwischen Russland und dem dieser Tage so wunderbar regierten Weißrussland in zwei Tagesetappen über Frankfurt an der Oder nach Frankfurt am Main, also nach Hause zu fahren, denn obwohl wir im schönen Taunusstädtchen wohnen ist doch Frankfurt und der Main unsere H E I M A T.

Zu dem X6 wäre noch anzumerken, dass wir in Klaipeda feststellten, dass der Teppich im Innenraum feucht war und der Wagen anfing zu riechen. Immer wenn man morgens einstieg müffelte der so ein wenig modrig. Wir rätselten lange was das sein könnte, suchten nach Stellen wo Wasser von außen eindringen könnte usf. Nichts, wir fanden nichts. Jetzt müssen alle die dies lesen sehr tapfer sein, denn wir kommen nun zu einem schwer berufskranken Psychopathen. Ich beschäftige mich seit 34 Jahren mit Fehlern und damit in Kombination auch mit Fehlkonstruktionen aller Art. Noch dazu bin ich einig mit Luigi Colani der sinngemäß gesafgt haben soll: „Design ohne Funktionalität ist nichts!“ Zurück zum Bimmer, auf unserem Rückweg nach Frankfurt am Main irgendwo inmitten Polens dachte ich aus Langeweile beim Fahren wieder über die Feuchte nach und es überkam mich, ich wusste in einem einzigen Augenblick was die einzige im Fahrzeug vorhandene Quelle für Wasser ist, die in Lage sein kann Feuchte ins Fahrzeug abzugeben. Es ist das aus der Entfeuchtung der „Klimatöse“ (Klimaanlage) anfallende Wasser, welches unter abgestellten Fahrzeugen im Sommer diesen typischen Wasserfleck erzeugt, wenn langsam das Wasser aus der Klimaanlage durch den Abflussschlauch auf den Boden unter dem Fahrzeug läuft. Ich teilte meiner Frau mit, dass ich mir zu 95 % sicher bin, dass da irgendwo ein Schlauch undicht oder abgegangen ist, das Wasser in den Tunnel des Fahrzeugs läuft und von dort in den Teppich sickert, bzw. vom besagten eingesaugt wird. Da meine Gattin sich mit meiner „Beklopptheit“ längst abgefunden hat, hört sie sich so etwas einfach nur kommentarlos an und lässt sich dann um lieb zu mir zu sein die Details erläutern. Wieviel sie dabei von meinem “Ingenieurssprech“ wirklich mitnimmt, werde ich wohl nie erfahren. Kurz und klein, als ich den Wagen zu der Weltfirma – die im Übrigen nur Volkswagen baut und dann 70 % teurer als ein Volkswagen verkauft, was auch die Renditendifferenz zwischen beiden Unternehmen hervorragend abbildet – mit den 3 Buchstaben brachte, schilderte ich dem Meister das Problem, dessen Auftreten und auch meine Vermutung. Woraufhin der Gute nur meinte, „so etwa wäre noch nie da gewesen“. Mit dem Satz disqualifiziert man sich bei mir, das höre ich schon seit 34 Jahren andauernd. Aussagen wie, kann nicht sein, gibt es nicht, war noch nie da, erzeugen bei mir körperliche Pein. Mein Geist reagiert dann sehr aggressiv und es kann durchaus sein, dass ich dann Rot sehe und bis zur Ausfälligkeit darauf reagiere. An jenem Tag hatte mir meine Gattin entweder des Morgens Kreide in den Tee getan, oder ich war schon vorher auf so eine Aussage gefasst gewesen. Logischerweise kam dann was eben kommen musste, am Nachmittag der Anruf von BMW Frankfurt, es sein eine Schlauchverbindung des Klimaanlagenauslaufs im Tunnel abgegangen – das waren dann wohl die polnischen Straßenverhältnisse, fahren Sie also nicht mit einem amerikanischen Auto über eine im Osten liegende Staatsgrenze der BRD – und dadurch sei das Wasser dann in den Fahrzeugteppich eingedrungen. Aha, aber kein Wort der Entschuldigung für die bekloppte Aussage am Morgen- na Ja, was soll’s. Dann aber die schlechte Nachricht. Der Teppich muss komplett ausgetauscht werden und man bestelle den Teppich in den USA, was dann 6 Wochen Lieferzeit bedeute. Also fuhr ich 6 Wochen lang mit einem müffelnden Auto durch die Gegend. Nicht so schön, aber es gibt Schlimmeres, nämlich gar kein Auto zum Fahren zu haben. Ob BMW am Ende der Teppichaustauschaktion – die zwei Tage dauert – an der Karre noch was verdient hatte lässt sich leider nicht feststellen, aber vermutlich schon.

Ach noch was, irgendwann später musste an dem X6 was gemacht werden und in Frankfurt hatte man keinen Termin dafür. So bot man mir an, die Arbeit bei BMW in Offenbach machen zu lassen. Das war Genial, denn die BMW-Offenbacher sind bei weitem nicht so versnobt wie die BMW-Frankfurter, bei denen es nur um den Showroom geht und es sehr umständlich ist, das Auto abzugeben und wieder abzuholen, so mit Parkhaus und Trallala. Ich war so happy mit den Offenbachern das ich mein Auto für Inspektionen und Reparaturen nur noch dorthin brachte. Außerdem muss ich für die Offenbacher hier mal eine Lanze brechen, das andichten der „Ohne Fahrkenntnisse“ für das Kennzeichen OF ist fies, weil es nicht stimmt. Am schlimmsten sind die Kennzeichen, und zwar exakt in dieser Reihenfolge: MKK, WI und RÜD. Selbst GG für Groß-Gerau – siehst du GG im Rückspiegel ist das „große Gefahr“, wenn Du es von hinten siehst „Gefahr gebannt“ – stimmt so nicht, GG landet höchstens auf Platz 4.

Geburtshaus-Itze-Genz

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