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Etwas über Kontrollen und Kapillarrohrficker

Ich bin kürzlich zum dritten Male in diesem Jahr in die Schweiz eingereist. Das Zöllner – neuerdings heißen die jetzt wohl Grenzbeamte, ich will hier Ja niemanden beleidigen – nicht so unbedingt zu meinen Freunden zählen, das habe ich schon mehrfach aufgeschrieben, aber man erlebt eben immer mal wieder etwas Neues. Besagte Beamte kontrollieren nun schon immer Auseisdokumente, Waren usf. In den neuen Zeiten die wir durch COVID-19 haben, kommen noch Kontrollen aller Art hinzu. Gut informiert wie ich im Mai – noch nicht vollständig geimpft – war, hatte ich auf einer ominösen Website der Schweizer Bundesbehörden ein Formular ausgefüllt, ausgedruckt und mitgenommen. Die Einreise über den Baseler Grenzübergang verlief erwartungsgemäß unproblematisch, die schielen da eher auf die Kohle, meint die Vignette, als auf irgendwas anderes. Ab und an ziehen sie einen Schweizer raus und kontrollieren wie viele Flachbild-Fernseher der wohl in seinem Kofferraum schmuggelt. Logischerweise wollten die also auch nichts von mir sehen, sie winkten mich durch und ich schmiss das Formular abends im Hotel weg. Das zweite Mal als ich in die Schweiz fuhr, hatte ich das Formular nicht ausgefüllt, denn als alter Anarchist fülle ich nix aus, wenn es ohnehin keiner sehen will. Einreise diesmal über Konstanz, weil ich die Fähre von Meersburg genommen hatte und auch hier keinerlei Kontrolle, so durchgerutscht. Als ich nun Ende September in die Schweiz fuhr, da hatte es – wie ein Schweizer sagen würde – einen veritablen Stau auf der A2/A3 bei Basel, also meinte das Navi ich solle doch über Rheinfelden fahren. Das aber erzeugt bei mir immer ein schlechtes Gefühl, ich kenne das, die kontrollieren was das Zeug hält. Würden die Baseler so verfahren, dann hätten die spätestens um 7:45 h einen 25 Kilometerstau erzeugt und um 10 Uhr ständen die Fahrzeuge bis Freiburg zurück. Rheinfelden ist klein, fein und man lässt sich Zeit. Jedenfalls kam es wie es kommen musste, der Grenzer zog mich raus. Ausweis? Kein Problem. Impfung? Auch kein Problem. Die Fragen nach Waren und was man sonst so bei sich führt, wahrheitsgemäß beantwortet. Dann aber – ich konnte Ja nicht wissen, dass der Mann ein Kapillarrohrficker allererster Güte ist – die Frage nach diesem dämlichen Einreisedokument. „Nee“, sagte ich, „habe ich nicht.“ Aber er ließ mich nicht laufen, ich musste dort vor Ort – mit einer lausig langsamen Pampa-Internetverbindung – mittels Mobiltelefon, das Ding ausfüllen und ihm dann die Bestätigungsmail vorzeigen. Das alleine hat mich ob der miesen Netzqualität gute 10 Minuten gekostet. Ich glaube wirklich, dass der Mann nicht nur ein ausgemachter – eben – Kapillarrohrficker ist, er ist allerhochnotwahrscheinlich auch genauso borniert wie Spahn und Wieler, die uns ernsthaft suggerieren, dass noch irgendwer sich wirklich um Kontaktnachverfolgung bemüht, geschweige denn überhaupt dazu in der Lage ist. Hin oder her, irgendwann durfte ich dann in das so gelobte Land südlich des Bodensees einreisen.

Nun ist aber die Sache die, dass meine mir vom Multiversum anvertraute Geliebte, Frau und Gattin – mein geliebtes Weib also, hätte man sich früher einmal getraut zu schreiben – am übernächsten Tag mit dem Zug in die Schweiz reisen sollte, damit wir anschließend, also am Freitagabend, gemeinsam gen Italien in einen 10-tägigen Urlaub fahren. Das ließ sich alles nicht anders planen, weil der Termin in der Schweiz unverrückbar war und wir unseren Urlaub nicht anders legen konnten. Da muss man die 85 Euro für das Zugticket – Frankfurt-Pfäffikon, bis Zürich in der 1. Klasse, meckere nochmal jemand über die Deutsche Bahn – eben unter Kosten zur Vereinbarung von Beruflichem und Privatem verbuchen. Die Alternative wäre gewesen, ich fahre am Freitagnachmittag nach Hause und wir dann am Samstag über den Gotthard nach Mailand – reichlich bekloppt. Und lieber Robert und liebe Annalena, da haben wir sogar für die 85 Euro zweimal CO2 gespart, einmal durch Bahnfahren – wie bekloppt muss man eigentlich sein, zu glauben das die Bahn kein CO2 ausstößt, nur weil sie nicht mehr mit Dampf fährt? Zum zweiten wurde mein Auto – der böse Benzinverbrenner – eben keine 700 Kilometer „for notting“ bewegt. Da ich meiner Frau und Geliebten jeglichen Ärger ersparen wollte, setzte ich mich also abends im Hotel, nachdem ich meine Mails abgearbeitet hatte hin, füllte für sie das Ding aus und mailte ihr die Rückmeldung, auf das sie bei der Einreise stressfrei bleibt – falls sie auf so einen besagten Kapillarrohrficker träfe. Danach ging ich in die Hotelsauna um ein wenig zu schwitzten. In der zweiten Runde saß ich mit ein paar anderen Hotelgästen in der Sauna und man unterhielt man sich ein wenig miteinander. Dabei stellte sich heraus, dass der Baumlange Kerl oben hinter mir Holländer war. Also fragte ich ihn dann einfach mal, ob er mit dem Flugzeug gekommen war, was er bejahte. Ich fragte ihn ob er kontrolliert wurde in Kloten, was er verneinte. Keine Sau hatte da irgendwas kontrolliert, was also macht dieser eine „Superkontroletti“ in Rheinfelden? Wird er die Schweiz ganz alleine retten?  Am nächsten Abend fragte ich dann meine Frau ob jemand ihr Einreiseformular sehen wollte, oder ihren Ausweis, oder ihr Impfzertifikat? Nein war die Antwort, auch sie wurde nicht kontrolliert. Aber wie sagte mein mittlerweile verstorbener Vater immer, „Junge, wir heißen Kölbel, uns haben ´se immer am A…“

Categories: 我的金瓶梅

admin

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